Den Freispruch der drei Angeklagten begründete die Vorsitzende so, wie es offenbar schon vor dem Prozess nach Lage der Akten abzusehen war: Die junge Opferzeugin hatte die drei Männer erst dann als Täter identifiziert, nachdem ihr die Polizei in einer suggestiv gestalteten Vernehmung Fotos von einer Menschenmenge in der Silvesternacht gezeigt und sie in dem Glauben gelassen hatte, auf den Bildern sei die Tatsituation zu sehen. Zuvor hatte sie die Täter und deren Bekleidung noch so beschrieben, wie keiner der Angeklagten aussah und angezogen war. Einen der Angeklagten versuchte die Polizei sogar mit dem erlogenen Vorhalt zum Geständnis zu bringen, man wisse, dass er die Zeugin angefasst habe, denn schließlich gingen er und seine Freunde ja auch in "Sexhäuser" und zu Prostituierten. Der Mann, der die Fotos in der Silvesternacht gemacht hatte, hielt die drei Männer schon für verdächtig, weil sie nicht "stylisch" genug angezogen waren, um in die Clubs gelassen zu werden – sie könnten doch nur da gewesen sein, um Frauen anzufassen.

Erschrocken zeigte sich die Vorsitzende auch darüber, dass die Staatsanwaltschaft und das Oberlandesgericht außerstande waren zu erkennen, wie minderwertig die "Wiedererkennung" der Opferzeugin war. Und sie wunderte sich über die absurde Prognose des Oberlandesgerichts, wegen Berührens der Zeugin an Brust, Gesäß und zwischen den Beinen über der Kleidung hätten die Angeklagten "mehrjährige Freiheitsstrafen" zu gewärtigen.

"Beschämend" wäre es gewesen, hätte die Vorsitzende der Staatsanwaltschaft, der Polizei und dem Oberlandesgericht diese Einzelheiten erspart. In dem laienhaften Vorgehen von Polizei und Staatsanwaltschaft wollen Generalstaatsanwalt und Polizeipräsident in ihrem "Statement" offenbar die "aufopferungsvolle Arbeit der Hamburger Ermittlungsbehörden" erkennen. Sie berufen sich darauf, dass die Strafkammer unter ihrer Vorsitzenden das Hauptverfahren ja selbst eröffnet habe. Verschwiegen wird dabei allerdings, dass das Landgericht zur Eröffnung des Strafprozesses gezwungen war, sollte das Verfahren für die Angeklagten nicht zu einer Drehtür werden: Zuvor hatte das Oberlandesgericht durch das Wiederbeleben der Haftbefehle unmissverständlich klargemacht, dass es eine Ablehnung der Eröffnung des Hauptverfahrens ebenfalls kassieren würde.

Das "Statement" von Generalstaatsanwalt und Polizeipräsident kann nur begreifen, wer weiß, wie leicht der Vorwurf eines Sexualdelikts in Hamburg sogar von Beamten des darauf spezialisierten Fachkommissariats für bare Münze genommen wird. Das liegt auch an deren Auswahl. Für ausreichend qualifiziert wird schon gehalten, wer den möglichen Opfern empathisch begegnet und ihnen keine kritischen Fragen stellt.

Der Schulterschluss zwischen Generalstaatsanwalt und Polizeipräsident hat sich in den Hamburger Medien in gehässigen Kommentaren gegen die Strafkammer und deren Vorsitzende niedergeschlagen. Die Urheber des "Statements" mögen das als Erfolg werten. Sie sollten sich nur nicht täuschen. Der mediale Mainstream ist kein verlässlicher Freund.