Der Student Christian Mertens ist dagegen, dass die Dinge in diesem Land sind, wie sie sind. Deshalb war er erst Punk – und ist jetzt AfD-Anhänger. Und Trump-Fan. Was will er wirklich?

Es war der 9. November 2016, der Mittwoch vergangener Woche, als Christian Mertens mal wieder dachte: Es läuft eben nicht, wie ihr wollt. Donald Trump war gerade zum nächsten Präsidenten der USA gewählt worden. Als das Ergebnis feststand, reagierten viele Menschen überrascht, geschockt oder ängstlich. Christian Mertens, 25, aus Magdeburg las das Wahlergebnis und schrie kurz auf. Vor Freude, wie er sagt.

Mertens studiert an der Magdeburger Uni Friedens- und Konfliktforschung. Früher war er Punk, heute ist er Mitglied der AfD. Und Trump-Fan. Mertens ist der Beweis dafür, dass im Osten viele Menschen wütend sind – dass sich die Art und Weise, wie sich diese Wut ausdrückt, aber auch schnell ändern kann.

Noch heute könnte Christian Mertens mit Punks abhängen, rein optisch. Dunkler Bart, kurze Haare, oft trägt er Kapuzenpulli. Während seiner Schuljahre verbrachte Mertens seine Freizeit in Magdeburg an der Elbe, an jenen Plätzen, an denen sich Punks und Alternative treffen. Auch damals schimpfte er auf das politische System. Da war seine Meinung noch irgendwie links. Heute ist sie eben eher rechts. Mertens ist überzeugter AfD-Anhänger, engagiert sich auch im Landesverband der AfD-Jugend, der "Jungen Alternative".

Was bedeutet es für einen wie Christian Mertens, dass einer wie Donald Trump zum mächtigsten Mann der Welt wird?

Auf Facebook folgt Mertens beispielsweise der ZEIT, dem Cicero, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Washington Post. Aber er hat auch die Junge Freiheit gelikt und Russia Today, den staatsnahen russischen Medienkonzern, der immer wieder in der Kritik steht, einseitig zu berichten. Mertens folgt auch Breitbart.com, einer Website, die sich politisch rechts von den Republikanern positioniert, Verschwörungstheorien veröffentlicht und deren früherer Chefredakteur jetzt Trumps Chefstratege im Weißen Haus werden wird.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT-im-Osten Ausgabe Nr. 48 vom 17.11.2016.

Mertens kennt und verfolgt die Argumente beider Seiten, der Trump-Anhänger und der Trump-Gegner, der AfD-Anhänger und der AfD-Gegner. Aber er weiß, wem er glaubt – und den deutschen Mainstream-Medien, denen glaubt er nicht. "Nur weil ein Großteil der Presse gegen Trump ist, muss das mit der Realität in der Gesamtbevölkerung nichts zu tun haben", sagt er. Ob seine Genugtuung auch aus der Medienberichterstattung resultiert? "Ja", sagt Mertens. "Ich hätte mich weniger gefreut, wenn ich das Gefühl gehabt hätte, da sei ein halbwegs objektives Bild gezeichnet worden." Auch von der AfD werde nach wie vor kein objektives Bild gezeichnet, findet er. Vor allem am Anfang sei die Berichterstattung ausschließlich einseitig und negativ gewesen. Das habe sich gebessert. Aber nur ein bisschen.

Aus vor allem zwei Gründen ist Mertens vom Punk zum AfD-Anhänger geworden. Er habe, erstens, etwas gegen die "demografische Katastrophe in Deutschland" tun wollen. Niemanden interessiere das, dabei sei das hier "betreutes Aussterben", und zwar der Deutschen mit ihren Tugenden, um die er sich sorgt. Der zweite Grund: Die AfD lasse den intellektuellen Diskurs nicht einschlafen. Er wolle nicht, dass alle irgendwann die gleiche Meinung haben. "Man muss im Streit bleiben", sagt er.

Mertens findet an Trump gut, dass der in erster Linie für Veränderung steht. Anders als Clinton, die dafür stehe, dass alles so bleibt, wie es immer schon war.