In seinem Buch The Art of the Deal schildert Donald Trump eine Begebenheit, die sich beim Bau seines Kasinos in Atlantic City im Bundesstaat New Jersey zugetragen hat. Weil das Projekt nicht richtig in die Gänge kommt, werden die Geldgeber nervös und drohen damit, sich zurückzuziehen. Doch Trump hat eine Idee: Er instruiert seinen Vorarbeiter, so viele Bagger und Lastwagen wie möglich heranzuschaffen. Als dieser einwendet, es gebe im Moment doch noch gar nichts zu tun, befiehlt Trump, dann sollten eben gewaltige Löcher in den Boden gegraben und wieder zugeschüttet werden. So geschieht es – und als die Geldgeber die Baustelle besichtigen, sind sie von der Betriebsamkeit schwer beeindruckt. Drei Wochen später ist Trump wieder flüssig. "Was die Bagger und Lastwagen taten, war nicht wichtig, solange sie nur viel davon taten", schreibt er.

Donald Trump, das zeigt diese Geschichte, war immer auch das: ein Blender, der den Leuten mit großem Vergnügen etwas vorspielt. Für Trump, den Politiker, könnte das genauso gelten. Im Wahlkampf versprach er seinen Anhängern viel. Er kündigte an, er werde Amerika "wieder groß" machen und für "Millionen von hart arbeitenden Männern und Frauen" eine bessere Zukunft schaffen. Er versprach, das Wirtschaftswachstum zu verdoppeln und seine klügsten und härtesten Verhandler in alle Welt, insbesondere nach China und Mexiko, zu schicken, um für Amerika den "besten Deal" auszuhandeln.

Mit gewagten Versprechungen hat Trump vor allem die gebeutelte untere Mittelschicht begeistert, die in ihm jemanden sieht, der ihre wirtschaftlichen Sorgen versteht, vielleicht sogar wundersam lösen kann. Trump landete einen Hit damit, immer wieder das Management der Fabrik für Oreo-Kekse, die nach Ankündigung des Produzenten von Chicago nach Mexiko ziehen soll, zu geißeln und zu fordern, dass die Jobs in die USA gehörten. "Ich rede mit denen", sagte er. Auch der Firma Carrier, die Klimaanlagen herstellt, drohte er. Sie hat beschlossen, einen Teil ihrer Produktion aus den Vereinigten Staaten nach Mexiko zu verlegen. Trump drohte in Reden damit, dass er als Präsident das Management anrufen und die Firma mit Zöllen bestrafen könne. Am Ende werde das Unternehmen verkünden, doch in den USA zu bleiben. An dieser Stelle der Geschichte jubelten die Trump-Fans.

Der Wirtschaft, die solchen Protektionismus nur in Einzelfällen liebt, hat Trump etwas anderes versprochen: bauen, bauen, bauen! Dazu weniger Steuern für Reiche und Deregulierung der Finanzmärkte. Seit sich Trump dann noch in seiner ersten Rede nach der Wahl sehr zahm gab, vom unberechenbaren Trump des Wahlkampfs keine Spur, sind die Börsen euphorisch. Rund um den Globus steigen die Aktienkurse.

Trumponomics – das ist vor allem ein riesiges Ausgabenprogramm

Die Euphorie könnte sich als kurzlebig erweisen. Donald Trumps Plan könnte sein wie die Baustelle in Atlantic City: schön anzuschauen, aber ein Blendwerk, das die eigentlichen Probleme nicht löst, sondern heimlich verschärft. Das Kasino in Atlantic City, um dessen Fertigstellung es damals ging, wurde zwar gebaut, doch es gehört heute längst nicht mehr Donald Trump. Der künftige Präsident ging damit kurz nach dem Bau so spektakulär pleite, dass es beinahe sein ganzes Imperium mitgerissen hätte.

Auch seinem Plan für die Wirtschaft des Landes droht ein solcher plötzlicher Tod. Er kann eine Weile gut, ja sogar sehr gut gehen. Es brummt die Baustelle, es blitzt, es funkelt im Trump-Kasino Amerika. Doch gerade weil der Plan so gewagt und in seiner Zusammenstellung unkonventionell ist, droht der Sudden Death, der plötzliche Tod, gleich von mehreren Seiten.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 48 vom 17.11.2016.

Zunächst aber könnte die Wirtschaft durch Trumps großes Ausgabenprogramm wachsen, die Zahl der Jobs steigen. Der Bauunternehmer hat sich dabei auf das besonnen, was er am besten kann: bauen. Er will "Straßen, Brücken, Tunnel, Flughäfen, Schulen und Krankenhäuser" errichten und damit Arbeitsplätze für "Millionen von Menschen" schaffen. Das ist zunächst einmal keine schlechte Idee. Denn in weiten Teilen der USA ist die öffentliche Infrastruktur marode. Etwa 60.000 Brücken gelten als sanierungsbedürftig, Umspannwerke funktionieren nicht mehr richtig, Deiche werden überspült, das Trinkwasser ist wegen veralteter Leitungen vielerorts mit Schadstoffen belastet. Der Verband der amerikanischen Ingenieure beziffert den Investitionsstau auf 3.600 Milliarden Dollar bis zum Jahr 2020.

Trump hat das früh erkannt. Im ersten Fernsehduell mit Hillary Clinton hat er die Flughäfen von New York, Newark und Los Angeles als "wie in einem Drittweltland" bezeichnet. Im Wahlkampf besuchte er die Industriestadt Flint, wo seit zwei Jahren bleiverseuchtes Wasser aus den Hähnen kommt. Dort hat er den Bewohnern versprochen, dass er als Präsident das Problem schnell lösen werde. Dazu kommt noch das Versprechen, die Mauer nach Mexiko zu bauen, ebenfalls ein riesiges Bauprojekt. Trumps Wirtschaftsberater, der Finanzinvestor Wilbur Ross und der Ökonomieprofessor und China-Kritiker Peter Navarro, haben auf zehn Seiten ein Konzept zur Modernisierung der Infrastruktur ausgearbeitet. Bis zu 1.000 Milliarden Dollar will Trump dafür in einem ersten Schritt ausgeben.

Wenn es wirklich so kommt, dann ist das ein beeindruckendes Konjunkturprogramm. Vor allem die Baufirmen würden profitieren – auch die aus Deutschland. Es ist kein Zufall, dass die Aktie des Baustoffkonzerns HeidelbergCement in der vergangenen Woche kräftig stieg. Der Chef des Unternehmens schwärmte schon von den Chancen, die der Machtwechsel in Amerika mit sich bringe. Oder, wie es der Hamburger Wirtschaftswissenschaftler Thomas Straubhaar formuliert: Trumps Wahlsieg sei eine "gute Nachricht" für die deutsche Wirtschaft. Auch die Deutsche Bank profitiert übrigens – was aber vor allem daran liegt, dass sie in Amerika so etwas wie Trumps Hausbank ist. Das dürfte nicht schaden.

Abschottung - Wer hat vor, hier eine Mauer zu errichten? Donald Trump wird der 45. US-Präsident. Er will eine 1.600 km lange Mauer an der Grenze zu Mexiko bauen. Seine Idee hat in der Geschichte Vorläufer.