DIE ZEIT: Herr Schmidt, Herr Vetter, wie sind Sie am vergangenen Mittwochmorgen aufgewacht?

Harald Schmidt: Wie immer.

ZEIT: Das heißt?

Schmidt: Ich gehe früh schlafen, so gegen halb zehn. Ich hab mir am Abend die Nachrichten angeschaut und bin davon ausgegangen, dass Hillary gewinnt. Und war dann sehr überrascht. Ich hatte aber viel Freude an den Experten, die sich alle ins Messer gestürzt haben. Die sagten: "Ach, jetzt liegen wir falsch, das ist wie beim Brexit, wir müssen uns selbst kritisch hinterfragen." Einige sagten: "Ich hab’s nicht gewusst, aber ich habe geschrieben, dass man es hätte wissen können." Ich bin ja begeisterter Börsianer ...

ZEIT: ... ernsthaft?

Schmidt: Ja, das war für mich das Interessante: Totalabsturz oder steil nach oben?

ZEIT: Haben Sie in Kohle investiert oder in amerikanische Gefängnisse?

Schmidt: Nee, nee, gar nicht. Ich habe nur ein paar Schweizer Werte und Dax. Wie schon beim Brexit hat die Börse positiv reagiert. Die Wahlen scheinen den großen Konzernen egal zu sein.

Dieser Artikel stammt aus der Schweiz-Ausgabe der ZEIT Nr. 48 vom 17.11.2016. Sie finden diese Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

ZEIT: Herr Vetter, haben Sie auch als Erstes Ihr Aktienportfolio angepasst?

Gabriel Vetter: Am Mittwochmorgen? Nein. Ich wurde, wie immer, von meinem kleinen Sohn geweckt. Er schrie: "Globi, Globi, Globi!" Er findet diese Kinderbücher großartig. Ich schaute auf mein Handy und sah, dass Trump wahrscheinlich Präsident wird, und hörte wieder "Globi, Globi, Globi!". Das hat irgendwie gepasst.

ZEIT: Herr Vetter, in einem Interview sagten Sie: Donald Trump oder auch die SVP zu diabolisieren, das bringe nichts.

Vetter: Damit meinte ich, dass man nicht immer sagen kann: Das ist eine Kraft, die von außen kommt, mit der niemand etwas zu tun hat, die man nicht hätte voraussehen können. Trump ist ein Mann aus der Mitte der USA, der jetzt plötzlich Präsident geworden ist.

Schmidt: Ich verstehe nicht, wie man sich so aufregen kann. Entweder man hat Wahlen, oder man hat keine. Aber zu sagen: Huu, Brexit, die haben nicht begriffen, was sie gewählt haben. Man unterschätzt einfach den ganz simplen Schnauze-voll-Faktor.

Vetter: Wovon denn die Schnauze voll?

Schmidt: Von der Familie zum Beispiel. Das entlädt sich dann bei den Wahlen. Weil man die Zusammenhänge nicht versteht.

Vetter: Das hat doch nichts mit Schnauze voll zu tun, sondern damit, dass es uns so gut geht. Trump wurde von der weißen Mittelschicht gewählt. Die Leute langweilen sich. So wie Roger Köppel oder Markus Somm es ausdrücken: Jetzt muss es mal knallen! Jetzt schmeißen wir mal ’ne Handgranate.

Schmidt: Das sagt Roger Köppel? Hat er vor, eine Handgranate zu werfen?

Vetter: Metaphorisch.

Schmidt: Ach so. Kapieren das die Leser?

ZEIT: Herr Vetter, Sie selber wollen stattdessen in Ihren Programmen eine Stammtisch-Stimmung schaffen, an dem früher der Anwalt mit dem Güselmann saß. Ist das Ihre Schweizer Harmoniesucht?