Im Science-Fiction-Film, dieser uramerikanischen Erzählung, kommen Außerirdische selten mit guten Absichten auf die Erde. Es verwundert nicht weiter, dass die populärkulturelle Vorstellungswelt eines Landes, dessen Mentalitäts- und Temperamentsgeschichte auf Planwagenburgen in der Prärie gründet, den Fremden am liebsten zum Invasoren macht: als Todesmaschinen, die die Welt in eine Plantage verwandeln, gedüngt mit Menschenblut wie in Steven Spielbergs War of the Worlds. Als illegal eingewanderte Aliens in Gestalt von bösartigen Riesenschaben, die sich in der Hauthülle von Menschen verstecken (Men in Black). Oder als großschädlige Angreifer, die die Menschen – wie in Tim Burtons Mars Attacks – mit Laserstrahlen pulverisieren und entsprechende Gegenwehr herausfordern: "Lasst uns diese Arschlöcher beschießen, mit allem, was wir haben!"

Der Science-Fiction-Film, da hatte François Truffaut ganz recht, ist ein Weltraumwestern, der die Indianer durch Außerirdische ersetzt.

Arrival von dem kanadischen Regisseur Denis Villeneuve erzählt ebenfalls von Aliens, die die Welt besuchen, geht aber den eher selten beschrittenen Weg. Er zeigt die Fremden als friedfertige Spezies, mit der es sich zunächst einmal zu verständigen gilt. Wenn ein forscher General (Forest Whitaker) ins Universitätsbüro der Linguistin Louise Banks platzt, um sie mit einer hochgeheimen, verantwortungsvollen Mission zu betrauen, verraten schon die Lichtverhältnisse, mit wem wir es zu tun haben. Blass, müde, angegriffen von den ewigen Geheimnissen und Herausforderungen der Wissenschaft sitzt Banks in ihrem schummrigen Büro. Der Militär spielt ihr eine Nachricht vor, die sich anhört, als versuche eine Krähe auf einer Schiefertafel zu steppen. Wer, wenn nicht Louise Banks, könnte das entschlüsseln?

Kino - "Arrival" (Trailer) © Foto: Sony Pictures

Amy Adams spielt die Forscherin als einen Menschen, der eine Erschütterung hinter sich zu haben scheint – oder der eine kommende Erschütterung ahnt. Ihre Figur verströmt den angenehmen Ehrgeiz eines Menschen, dem es wirklich um die Sache geht. Was mit dieser Frau eigentlich los ist, bleibt lange Zeit genauso geheimnisvoll wie das Raumschiff, das gerade aufgetaucht ist.

Der Logik des Invasionsfilms entzieht sich Arrival allein schon durch das Design des Weltraumgefährts. Keine Lichter, keine Triebwerke, kein Stahl, keine Rampen. Nicht einmal Geräusche. Laut- und schwerelos, ohne die Erde auch nur zu berühren, schwebt ein etwa einen halben Kilometer großes schwarzes Ding über einer Wiese im ländlichen Montana – und über elf weiteren Orten der Welt. Auf gurkenförmige Weise erinnern die Objekte an den schwarzen Monolithen zu Beginn von Stanley Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 49 vom 24.11.2016.

Gemeinsam mit einem Physiker (Jeremy Renner) tritt Louise Banks den Aliens entgegen. Und Denis Villeneuve gelingt es, eine Kino-Spezies zu erschaffen, die es in hundert Jahren Science-Fiction-Film so noch nicht gegeben hat: In einem nebelhaften Raum mit eigener Atmosphäre erscheinen die Außerirdischen als fragile, unscharfe, sich langsam bewegende Wesen. Sie sind siebenbeinige Gestalten, eine Art Kreuzung aus Hand und Oktopus. Ihre Sprache besteht aus ringförmigen, wie Tusche auseinanderfließenden Strukturen, die im Raum zu schweben scheinen.

Von Anfang an knüpft Louise Banks eine telepathische Beziehung zu den Besuchern. Eine Art "Traumraum" entsteht, in dem sich Banks’ persönliche Erinnerungen und Gedankensplitter mit der nicht linearen Sprache der Aliens verbinden. Konzepte wie Zukunft, Vergangenheit, Gegenwart lösen sich auf. Ein meditativer Dialog kommt in Gang, den die Linguistin mit Piktogrammen, Gesten und Symbolfolgen beginnt und nachts in ihren Träumen fortsetzt.

Immer deutlicher spaltet sich Arrival auch visuell in zwei Welten: Hier die Wissenschaftlerin im Chiaroscuro eines halb rational, halb schlafwandlerisch geführten Verständigungsversuchs. Und da draußen, zwischen hartem Tageslicht und Halogenstrahlern, ein militärisches Forschungscamp, das der operationellen Logik des Invasionsfilms folgt: Simultanschaltungen mit den Staatslenkern der ganzen Welt, Einblendungen von alarmistischen Schlagzeilen, reißerische TV-Sendungen und reaktionäre Radiomoderatoren, die zum Angriff gegen die rätselhaften Besucher auffordern. Schließlich der Countdown bis zum drohenden Militärschlag gegen die Raumschiffe.

Natürlich ist der Film eine Metapher auf den Umgang mit dem Fremden. Auf die Angst davor und die Möglichkeit, sie durch Verständigung zu überwinden. Man fühlt sich ein bisschen an E.T. erinnert, der sich ebenfalls der Logik des Weltraumwesterns verweigert. Auch in Spielbergs Film von 1982 lernen beide Seiten – ein kleiner Junge und ein elefantenhäutiger Außerirdischer mit Glubschaugen –, sich zu verständigen. Auch hier entsteht telepathische Nähe, während die amerikanische Regierung andere Ziele verfolgt.

Arrival erweitert das Thema zur philosophischen Betrachtung. Die nicht lineare Sprache und Zeitwahrnehmung der Aliens hebt die Erzählung selbst aus den Angeln. Der Science-Fiction-Film krümmt sich in sich selbst zurück. Oder er öffnet sich in eine Zukunft, die immer schon da ist? Alles ist verstörend anders – und doch nicht bedrohlich.