Der Secret-Service-Beamte guckt hilflos, als der leicht bekleidete Cowboy seine Gitarre auf das Förderband im Trump Tower legt, um sie auf Sprengstoff durchleuchten zu lassen. Der Beamte ist für die Sicherheit des zukünftigen Präsidenten Donald Trump verantwortlich. Und Trump hat entschieden, seine Regierung nicht in Washington zusammenzustellen, sondern hier in seiner New Yorker Wohnung. Der Cowboy dreht den wartenden Journalisten den Rücken zu, hebt seinen Nerzmantel und entblößt seine Unterhose, auf der in großen Lettern TRUMP steht. "Das ist der Höhepunkt meiner journalistischen Karriere", stöhnt ein amerikanischer Reporter, der vor den goldenen Fahrstühlen wartet. Dort, wo es zur Schmuckboutique von Trumps Tochter Ivanka geht.

Die Lobby des Trump Tower ist ein öffentliches Luxus-Einkaufszentrum, mit Nike-Store, Gucci-Laden, Restaurant und Starbucks. Und es wird weiterhin besucht. Von halb nackten Cowboys, Touristen und einem konstanten Strom von Politikern, Militärs und Wirtschaftsleuten, die Trump seit zwei Wochen als mögliche Kabinettsmitglieder interviewt. Bislang fanden Regierungsbildungen respektvoll im Verborgenen statt. Diese hier ähnelt eher der Casting-Prozedur einer von Trumps Miss-Universe-Wahlen.

Im 58. Stock des Trump Tower wird gerade die Zukunft Amerikas bestimmt. 4.000 wichtige Ämter, die über die Qualität und die Ausrichtung der neuen Regierung entscheiden, muss Trump in den nächsten zwei Monaten vergeben. Darunter fallen sämtliche Ministerposten, hochrangige Stellen in den Ministerien, Top-Diplomaten sowie das Personal von Behörden wie dem Rechnungshof bis hin zur Kommission für Meerestiere. Trumps Erwählte werden in den nächsten vier Jahren über Themen wie Bürgerrechte und Klimaschutz mitbestimmen. Über den Umgang mit den Medien. Über die Zukunft des Kapitalismus, über Krieg und Frieden.

Auch von ihnen hängt ab, ob Amerika eine freiheitliche Demokratie bleibt oder eine illiberale Demokratie wird, vielleicht sogar eine Autokratie, also ein gleichgeschalteter Ein-Mann-Staat ohne nennenswerte Opposition.

Man kennt von Donald Trump unterschiedliche Gesichter: Da ist der ehemalige Wahlkämpfer, der den Hass seiner Fans anstachelt, Muslime verteufelt und islamistische Terroristen foltern lassen will. Da ist aber auch der zukünftige Präsident. Und der hat in der Wahlnacht versöhnliche Töne angeschlagen und angekündigt, auch mit seinen Gegnern zusammenzuarbeiten. Einige sagen nun, man solle Trump gegenüber nicht zu voreingenommen sein.

Präsident Barack Obama: "Wir müssen den neuen Präsidenten jetzt unterstützen und seiner Regierung Erfolg wünschen."

Hillary Clinton: "Wir schulden es Donald Trump, ihm eine Chance zu geben."

Mitt Romney, einer der schärfsten republikanischen Kritiker Trumps: "Ich hatte ein sehr weitreichendes Gespräch mit dem zukünftigen Präsidenten Donald Trump. Ich freue mich auf die zukünftige Regierung."

Soll man also darauf hoffen, dass das Amt den Mann verändert? Oder ist diese Annahme naiv? Trumps erste Personalentscheidungen deuten nicht darauf hin, dass sich seine Politik von der Hitze seines Wahlkampfes unterscheiden wird.