Welche Unternehmen fallen einem beim Stichwort Internet ein? Google, Apple, Amazon. Auch Facebook, Uber und Samsung natürlich – jene Unternehmen, die mit dem Siegeszug des World Wide Web Land für Land erobert haben. Deren digitale Plattformen und Dienste jeder kennt und fast jeder nutzt. Sie sind die Weltmarktführer in ihrem Geschäft. Die meisten dieser neuen Riesen kommen aus den USA, einige aus Asien, und sie hören nicht auf, zu wachsen und neue Märkte zu erobern.

Aber wer kennt EOS? Wer kennt Teamviewer, eGym, Blacklane, Schunk oder Phoenix Contact?

Auch diese Unternehmen stehen an der Weltspitze der Digitalwirtschaft. Nur haben die meisten Menschen ihre Namen noch nie gehört. All diese Unternehmen kommen aus Deutschland. EOS etwa sitzt im oberbayerischen Krailling und ist Weltmarktführer für 3-D-Drucker, die das Zeug dazu haben, die industrielle Produktion umzuwälzen (siehe nebenstehenden Text). Teamviewer hat seinen Sitz im schwäbischen Göppingen; es ist Weltmarktführer bei der Software für die Fernwartung von Computern und Smartphones. Und die Firma Schunk aus Lauffen am Neckar, global führend bei Greifzeugen und Spanntechnik, rüstet Roboter mit digital gesteuerten Fingern aus, damit sie Werkstücke exakt bewegen können.

Die Märkte und Geschäftsmodelle dieser kleinen Weltmeister sind höchst verschieden. Doch eines eint sie alle: Sie haben international Erfolg mit der Digitalisierung, und sie legen ein hohes Wachstumstempo vor. Sie sind die Meister der Nische.

Hidden champions, unbekannte Weltmarktführer, nennt man solche erfolgreichen kleinen und mittelgroßen Unternehmen. Kein Land der Welt hat auch nur annähernd so viele davon wie Deutschland. Die Mittelständler aus Branchen wie dem Maschinenbau, der Elektro-, Kfz- oder Medizintechnik bilden neben großen Konzernen wie Daimler, Siemens oder SAP die Basis des deutschen Wirtschaftserfolgs. Doch kann diese Stärke, die einst in der analogen Wirtschaft errungen wurde, auch in Zeiten des Umbruchs bewahrt werden? Kann Deutschlands hochgelobter Mittelstand mithalten beim Wettlauf der Digitalisierung, den auf den ersten Blick stets Unternehmen aus dem Silicon Valley anzuführen scheinen?

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 49 vom 24.11.2016.

"Ich bin da überhaupt nicht pessimistisch", sagt Hermann Simon. Er ist emeritierter Wirtschaftsprofessor; kaum jemand kennt sich so gut aus mit dem Mittelstand wie er. Simon war es, der einst den Begriff der hidden champions geprägt hat. Seit Mitte der neunziger Jahre sammelt er Beispiele, mehr als tausend mittelständische Weltmarktführer hat er aufgelistet. Und bis heute werde er immer wieder fündig, sagt er. Auch bei Firmen mit digitalem Geschäftsmodell. Auch in Deutschland.

"Wenn es um digitale Dienste für die Masse der Konsumenten geht, sind die Internetkonzerne aus den USA vorne", sagt Simon, "das ist ein amerikanisches Spiel." Ihr großer Vorteil gegenüber der Konkurrenz sei der riesige Markt, in dem sie beheimatet sind: 250 Millionen Amerikaner, 250 Millionen Menschen, die eine Sprache sprechen.

Da hätten es europäische Firmen, die 28 EU-Länder mit unterschiedlichen Kulturen und vielen Sprachen bedienen müssten, vor allem in der Startphase ungleich schwerer. Aber wenn es um Geschäfte zwischen Unternehmen gehe, um die Kombination von klassischer Ingenieurskunst mit Software etwa, in der Produktion und der Robotik, dann sehe die Situation ganz anders aus. "Dann sind wir stark", sagt Simon.

Die Internetriesen in den USA kommen fast alle aus dem Silicon Valley. Rund um die Stanford-Universität hat sich dort eine Technologielandschaft mit einer einzigartigen Gründerkultur entwickelt, die von Milliarden Dollar Wagniskapital befördert wird.