In Deutschland gibt es kein Silicon Valley, kein strahlendes Zentrum der technologischen Innovation. Es geht hier traditionell eher dezentral zu, aber längst gibt es auch deutsche Hotspots mit pulsierender Gründerkultur: im Südwesten der Republik zum Beispiel oder Städten wie Berlin oder München.

Jens Wohltorf und Frank Steuer haben sich Berlin ausgesucht. Sie sind die Gründer von Blacklane, einer Art Edel-Taxiunternehmen, bei dem Vielflieger eine Limousine bestellen können, um sich vom Flughafen abholen zu lassen. Im weltoffenen Berlin finden Wohltorf und Steuer die gut ausgebildeten jungen Talente, die sie brauchen, um mit ihrer Plattform rund um die Uhr für die Kunden erreichbar zu sein. In sieben Sprachen wird bei dem Start-up kommuniziert.

Jenseits von Berlin oder München spielen in Deutschland vor allem jene Regionen bei der Digitalisierung vorn mit, in denen bereits klassische mittelständische Weltmarktführer sitzen – und in denen die Firmen auf dem Weg in die digitale Welt eng mit regionalen Hochschulen und spezialisierten Forschungseinrichtungen wie den Max-Planck- oder Fraunhofer-Instituten kooperieren.

Der Staat versucht die digitale Entwicklung zu fördern, und zwar massiv, etwa indem er den Informations- und Erfahrungsaustausch zwischen Unternehmen und Wissenschaft mit der "Plattform Industrie 4.0" besser zu organisieren versucht. Das Internet der Dinge etwa oder die sogenannte Industrie 4.0, bei der es darum geht, Maschinen, Fabriken und ganze Lieferketten digital zu vernetzen. Es ist kein Zufall, dass der Begriff Industrie 4.0 in Deutschland erfunden wurde.

Manche hiesige Digitalfirmen sind sogar aus der Nische herausgekrochen – und dominieren ganze Technologiefelder. Wenn ein Industrieunternehmen heute irgendwo auf der Welt den Prototyp eines neuen Bauteils fertigen will, dann kommt dabei in der Regel ein 3-D-Drucker aus Deutschland zum Einsatz. Bei 3-D-Druckern für metallische Werkstoffe brächten es deutsche Hersteller weltweit auf bis zu 70 Prozent Marktanteil, schätzt Maschinenbauexperte Bernhard Langefeld von der Unternehmensberatung Roland Berger. Gebaut werden die großen Metallkästen von Unternehmen in Oberbayern, in Franken oder Lübeck. Ihren Erfolg haben sie nicht zuletzt der Grundlagenforschung eines hoch spezialisierten Verbunds aus Universitäten und Forschungsinstituten im Großraum München zu verdanken, dem deutschen "Laser-Cluster".

3-D-Drucker sehen aus wie simple Blechkästen, aus der wie von magischer Hand verschiedenste Formen herauskommen. Ihr Geheimnis steckt in der ausgefeilten Lasertechnik, in der speziellen Software. 3-D-Drucker aus Deutschland gelten als Premiumprodukte. Die Unternehmen EOS, Contact Laser und SLM seien Marktführer wie Mercedes, BMW und Audi in der Auto-Oberklasse, sagt Langefeld.

Der Mann, der versucht, den Erfolg der deutschen Digitalwirtschaft zu zählen, heißt Bernd Venohr. Er ist Herausgeber des Lexikons der deutschen Weltmarktführer. Für seine neueste Liste hat er mehr als 30 "nachwachsende Weltmarktführer" aus der Software- und Internetbranche gesammelt. Nimmt man Firmen mit digitalen Geschäftsmodellen aus anderen Branchen hinzu, dann liegt die Zahl leicht doppelt so hoch. "Sie alle gehören zu den Top 3 weltweit in ihrem Geschäft oder sind zumindest Europa-Marktführer", sagt Venohr.