Schaut man auf seine Liste, erkennt man ein Muster. Es gibt in Deutschland zwei Typen von digitalen Champions. Die einen sind Start-ups und junge Firmen, die neue Geschäftsfelder erschließen. So wie Teamviewer, der Softwarehersteller aus Göppingen, oder Blacklane, der Limousinendienst aus Berlin. Sie sind erfolgreich, weil ihre Internetplattformen besonders innovativ sind oder ihre Software besonders ausgetüftelt ist. Sie sind meist deutlich jünger und dynamischer als ihre Vorgänger, die Weltmarktführer aus der Old Economy. Sie pflegen eine Unternehmenskultur nach dem Muster von Google oder Apple: lässige Kleidung im Büro, Sneakers und T-Shirt statt Anzug und Kostüm. Entspannungszonen mit Kicker und Fitnessgeräten.

Aber trotzdem setzen auch diese jungen Unternehmen auf bewährte deutsche Tugenden: Sie führen in einer Nische, sie legen großen Wert auf Qualität und Spitzentechnologie, sie handeln international und sind auf Wachstum angelegt.

In einer Hinsicht aber sind sie anders als ihre Vorläufer aus der analogen Welt: Sie haben oft keine Scheu, Fremdkapital für ihr Wachstum hereinzuholen. Ihre Chefs gehen zu Messen, auf denen Start-ups und Investoren aufeinandertreffen. Und viele sind offen für Käufer, wenn das Angebot lukrativ genug ist.

Zum zweiten Typus der deutschen Digital-Champions zählen die vielen mittelständischen Unternehmen, die schon in der Old Economy führend waren. Weltmarktführer, die die Fabriken der Welt ausrüsten. Diese Mittelständler erweitern ihr Angebot jetzt um digitale Dienste und machen ihre Maschinen und Automatisierungstechnik fit für das digitale Zeitalter.

Beim Internet der Dinge etwa, bei dem Maschinen, Sensoren, Antriebe und Bediengeräte vernetzt werden, wollen nicht nur die Boschs oder Siemens ihr vorhandenes Know-how mit den neuen Möglichkeiten der digitalen Welt koppeln, sondern auch Familienunternehmen wie Phoenix Contact, ein Mittelständler aus dem ostwestfälischen Blomberg.

"Die Amerikaner haben das Internet, wir haben die Dinge", sagt Frank Stührenberg, der Chef des 93-jährigen Traditionsunternehmens mit 14.500 Beschäftigten und zwei Milliarden Euro Jahresumsatz. Einfach gesagt sorgt Phoenix Contact mit seiner Verbindungstechnik dafür, dass die Maschinen in der Produktion sicher und präzise mit Energie und Daten versorgt werden. Das Unternehmen hat sich eine digitale Agenda gegeben. Was einst mit simplen Klemmen begann, sind längst elektronisch und digital aufgerüstete Verbindungen. "Wir müssen unsere Stärken aktiv mit den digitalen Herausforderungen zusammenbringen", sagt Stührenberg. Seine schärfsten Rivalen wie Weidmüller oder Harting kommen allesamt aus der Gegend, der ostwestfälischen Provinz, dem "Klemmen Valley". Längst arbeiten sie eng mit regionalen Hochschulen zusammen.