Überrascht hat der Appell den US-Präsidenten bestimmt nicht: "Wir unterstützen Ihre Bemühungen um sinnvolle und effektive Maßnahmen zur Begrenzung des Klimawandels – einer unmittelbaren Herausforderung für die Vereinigten Staaten und die Welt. Bitte schieben Sie die Erde nicht vor sich her!", schrieben mehrere Dutzend Wirtschaftsvertreter in einem offenen Brief, der ganzseitig in der New York Times abgedruckt wurde. Das war im Jahr 2009. Der Adressat hieß Barack Obama. Der UN-Klimagipfel in Kopenhagen stand bevor. Und auf der Unterzeichnerliste stand auch dieser Name: Donald J. Trump.

Das wiederum dürfte jeden überraschen, der Trumps Wahlkampf auch nur oberflächlich verfolgt hat. Da bezeichnete er die globale Erwärmung als "Schwindel", ja als Verschwörung gegen die US-Industrie. Diese Woche gab er sich sanfter: Klimawandel – vielleicht gebe es einen Zusammenhang. Klimavertrag – schaue er sich genau an. Derselbe Mann hatte geschimpft, UN-Bürokraten könnten bald über Amerika bestimmen. Und er hat gegen Windparks gewettert, die man von seinem Golfplatz in Schottland aus sehen könnte. Gleichzeitig schien er anzuerkennen, dass der steigende Meeresspiegel seinen Golfplatz in Irland bedrohen könnte – und so hat seine Firma einen Bauantrag für eine, genau, schützende Mauer um das edle Grün herum gestellt.

Da aber die Erdatmosphäre keine Mauern kennt und die globale Erwärmung nicht nur so heißt, müssen sich nun auch Nicht-Amerikaner fragen: Was bedeutet das künftige Amerika für den Klimaschutz? Was könnte Trump ändern? Und mit welchem Resultat? Knapp zwei Monate vor der Amtseinführung ist das noch Spekulation. Wer sich aber mit den Rahmenbedingungen für den US-Klimaschutz beschäftigt, kann Hoffnung schöpfen, dass die Kraft des Faktischen am Ende stärker bleiben wird als Trumps Desinteresse an naturwissenschaftlichen Fakten.

Donald Trump - Ein Klimawandel-Skeptiker im Weißen Haus Für den 45. US-Präsidenten ist der Klimawandel Schwindel. Im Wahlkampf versprach er, Kohle und Fracking zu fördern und einen Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen zu prüfen. Dagegen formiert sich Protest.

Eine gedankliche Reise über fünf Stationen führt zu dieser Einsicht:

1. Spitzenposition

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 49 vom 24.11.2016.

Lange pustete kein Land mehr CO₂ in die Luft als die USA. Erst vor etwa zehn Jahren zogen die Chinesen an den Amerikanern vorbei. Aktuell werden jährlich etwa 37 Gigatonnen Treibhausgase weltweit ausgestoßen, davon stammen rund sechseinhalb aus den USA. Einmal in der Luft, sind die Emissionen aber äußerst langlebig: Kohlendioxid bleibt durchschnittlich 120 Jahre am Himmel, Lachgas 114 Jahre. Der Molekülmix, der heute den Klimawandel verursacht, ist also zu großen Teilen gasförmige Industriegeschichte. An dieser historischen Last in der Erdatmosphäre hat kein Staat einen größeren Anteil als die Vereinigten Staaten. Und aktuell stoßen die US-Amerikaner pro Kopf dreimal so viel aus wie der globale Durchschnitt, mehr als doppelt so viel wie die Europäer.

2. Späte Schützer

Beim Bemühen um den weltweiten Klimaschutz waren die US-Amerikaner lange Nachzügler. Zwar verhandelte US-Vizepräsident Al Gore 1997 in Japan das berühmte Kyoto-Protokoll mit, einen ersten Versuch zur Eindämmung der globalen Emissionen. Als aber im Januar 2001 George W. Bush ins Weiße Haus einzog, lehnte er die Ratifikation ab. Barack Obama legte in seiner ersten Amtszeit weniger Gewicht auf einen Kyoto-Nachfolger als auf Projekte wie die Gesundheitsreform. Für das Scheitern des Klimagipfels von Kopenhagen 2009 wurden auch er und seine Regierung mitverantwortlich gemacht. Erst für den Klimavertrag von Paris hat die scheidende Regierung Obama dann deutliche Minderungen zugesagt, nach 20 Jahren zäher Diplomatie: Von allen Gigatonnen an Treibhausgas, deren Ausstoß bis zum Jahr 2030 vermieden werden soll, müssen die USA jede fünfte einsparen. Zum Vergleich: Die EU sagte für den gleichen Zeitraum zu, etwas mehr als ein Zehntel der globalen Einsparung zu übernehmen.

3. Ausblick düster

Jetzt aber steht das alles infrage. Wie wird die Klimapolitik der Regierung Trump aussehen? Gibt es überhaupt eine? "Die Haltung des Wahlgewinners zum vom Menschen verursachten Klimawandel ist bekannt", hatte der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Hans Joachim Schellnhuber, nach Trumps Sieg gesagt. Wissenschaftler könnten von ihm "kein positives Handeln in Klimadingen" erwarten.

Tatsächlich lassen Wahlkampf-Äußerungen das Schlimmste befürchten: Das Klimaschutzabkommen von Paris werde er aufkündigen, hat Trump gesagt (er sei "offen", sagt er inzwischen). Die für den Klimaschutz zuständige Bundesumweltbehörde Environmental Protection Agency, kurz EPA, wolle er abwickeln.