Nach 13 Jahren Besinnungszeit will die Börse eine alte Idee wiederbeleben. Sie schafft ein Segment, in dem kleine und mittelgroße Unternehmen den Börsengang wagen können. Das gab es schon einmal, damals hieß es "Neuer Markt" und war ein Desaster. 2003 stampfte die Deutsche Börse das erst heiß geliebte und dann sehr verhasste Segment ein – nachdem Aktionäre damit 200 Milliarden Euro verloren hatten, weil sie wie im Rausch in ziemlich überbewertete Firmen investiert hatten, Hauptsache, sie machten irgendwas mit Internet. Jetzt ist die Idee zurück, unter strengeren Auflagen und mit mehr Schutz für die Aktionäre.

Der Schritt ist ein Erfolg für die deutsche Start-up-Szene, die ein solches Segment seit drei Jahren lautstark fordert. Wichtigstes Argument der Gründer: Wenn junge Unternehmen leicht aufs Parkett gehen können, haben professionelle Geldgeber mehr Anreiz, ihren Aufbau zu finanzieren. Es hat etwas gedauert, aber nach der Politik hat sich auch die Börse selbst wieder neu von der Idee überzeugen lassen. Nur bei einem Punkt sind alle ziemlich ratlos, weswegen Börsen-Chef Carsten Kengeter nun gar um Vorschläge bittet: Wie soll das neue Segment heißen?

Die Wirtschaftsredaktion der ZEIT hilft gern. Auch wenn die unrühmliche Vergangenheit mitschwingt, würde es doch einer gewissen feinen Ironie nicht entbehren, das Segment einfach Neuer Neuer Markt oder Superneuer Markt zu nennen.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 49 vom 24.11.2016.

Gut gefallen würde uns auch, dieses Mal die Erfinder des Segments zu verewigen. Als Anerkennung – und damit man weiß, wer sich mitverantwortlich fühlen muss, falls es wieder scheitert. Einer der lautesten Fürsprecher des Segments ist Florian Nöll, der Vorsitzende des Bundesverbands Deutscher Startups. Nöllscher Markt also! Oder kürzer: Nömax. Auf dass der Radiosprecher künftig ansage: TecDax, MDax, Nömax. Oder doch Sigmax? Schließlich befürwortete auch Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel das Segment.

Wenn es eher nach Start-up klingen soll, dann bieten sich auch Kunstnamen an, die auf irgendetwas anspielen. Hat ja schon bei Larry Page und Sergey Brin ganz gut geklappt, als sie 1997 die Domain Google.com registriert haben. Also: Boomle? Ziiiish? Oder noch viel besser: Noyamag?

Soll hingegen auf lautmalerische Anspielungen verzichtet werden, will man aber zugleich nicht in die langweilige Börsen-Speak ("Prime Standard", "Entry Standard") verfallen, so empfehlen wir einen Namen, der einer Fremdsprache entlehnt ist, deswegen mystisch klingt und seine Bedeutung nur bei genauer Recherche enthüllt. Auch das ist in der Start-up-Welt beliebt: DaWanda zum Beispiel, die Onlineplattform für handgemachte Produkte, ist nach einem afrikanischen Namen benannt, der sich mit "Die Einzigartige" übersetzen lässt. Für das neue Börsensegment kämen dann so schöne Namen wie BungaApi, Pahu, Tineiafi in Betracht – aber bitte nicht Faalavelave, das ist Samoanisch und klingt zwar sehr nett, heißt aber Absturz.

In sind aber auch Namen, die Vokale aussparen. So à la Tumblr, Flickr, Numbrs. Vorschlag: Brzzze. Das klänge nach rasantem Wachstum – und das wollen doch alle, wenn sie an die Börse gehen.

In einer geheimen Abstimmung plädiert das Wirtschaftsressort übrigens für Nömax und Superneuer Markt – ein bisschen wie früher sollte es also schon klingen. Aber, lieber Herr Kengeter, die Entscheidung liegt natürlich bei Ihnen!