Für einen Autofahrer in dieser vom permanenten verkehrstechnischen Ausnahmezustand geprägten Stadt ist er quasi überlebenswichtig: der Verkehrsfunk. Er kann entscheidend dazu beitragen, ob man seinen Arbeitsplatz einigermaßen rechtzeitig erreicht, ob man den Abend im Kreise seiner Lieben verbringt oder unterzuckert und fluchend im Stau. Das hofft man zumindest.

Dieser Artikel stammt aus dem Hamburg-Teil der ZEIT Nr. 49 vom 24.11.2016. Sie finden diese Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

Umso ärgerlicher, wenn man morgens durch die City in Richtung A 1 fährt, dann kurz vor der Einfahrt in den Wallringtunnel der Verkehrsfunk auf NDR Info beginnt und es nach den Worten "Achtung, auf der A 1 Hamburg Richtung Bremen ..." anfängt nur noch zu rauschen. Bis man mit Vollgas, spurenwechselnd und hupend wie ein maniac, Tunnel und Funkloch durchquert hat, ist längst die A 7 dran. Und man steht vor der Wahl, blind dem Navigationsgerät oder dem Schwarm der anderen Autofahrer zu vertrauen, die Verkehrslage mithilfe der schwerhörigen Siri zu googeln oder, einer Eingebung folgend, umzudrehen. Aber egal, was man auch tut: Wahrscheinlich wird man im Stau landen, genau dem Stau, vor dem NDR Info gewarnt hat, als man im Tunnel war.

Und das geht einem nicht nur im Wallringtunnel und mit NDR Info so. Auch im Kronstiegtunnel herrscht Verkehrsfunknot. Im Elbtunnel hingegen gibt es sogar Stereo.

Wie das? Ganz einfach: Alle längeren Tunnel schirmen Radiowellen ab. Im Elbtunnel wurde aber eine Tunnelfunkanlage installiert. Über die lassen sich 16 UKW-Radiosender empfangen, und man kann, Wunder der Technik, von der Tunnelbetriebszentrale übers Autoradio angesprochen werden ("Fahren Sie bitte schneller ... Ja, Sie! SCHNELLER!")

Aber wieso nur im Elbtunnel? Will man etwa subtil Druck ausüben, bis die Wagenlenker entnervt vom Stau in den öffentlichen Nahverkehr umsteigen, egal, wohin der sie fährt?

Viel einfacher: Beim (Autobahn-)Elbtunnel seien "alle technischen und rechtlichen Voraussetzungen" schon beim Bau geschaffen worden, erklärt Richard Lemloh von der Verkehrsbehörde. Und bei den anderen zwei Tunneln eben nicht.

Hier könnte dieser Text also mit einem behördlichen Schulterzucken enden. Aber, o Happy End: Der Krohnstiegtunnel wurde gerade nachgerüstet; im kommenden Jahr soll man dort Verkehrsfunk empfangen können. Und wenn der Wallringtunnel fertig saniert ist, kann man auch hier Stauwarnungen hören, voraussichtlich im Frühjahr 2018 – und falls die dann doch nichts an dem Stauschlamassel ändern, hoffentlich auch entspannende Musik.