Sein Wahlkampfmotto "Make America great again" ziert selbst Weihnachtsbaumschmuck in Form roter Baseballmützen mit goldenen Ornamenten. 149 Dollar kostet ein solcher Anhänger, der Erlös fließt in Donald Trumps Wahlkampfkasse und an die Republikanische Partei. Am Freitag nach dem traditionellen Thanksgiving-Fest – einem Tag, den viele Amerikaner für Einkäufe nutzen – gewährte das neue Staatsoberhaupt 30 Prozent Rabatt. Paul S. Ryan von der Initiative Common Cause, die für eine Reform der Wahlkampffinanzierung eintritt, sagte dem Nachrichtendienst Bloomberg, nie zuvor in der Geschichte der USA habe es eine derartige Sonderangebotsaktion eines gewählten Präsidenten gegeben.

Nicht nur bei der Weihnachtsdekoration mischen sich bei Trump Geschäft und Politik. Trumps Unternehmen besteht aus Hunderten von Beteiligungen an Hotels und anderen Immobilien sowie Lizenzverträgen weltweit. Zu seinen Finanziers gehören die Deutsche Bank und die Bank of China, die mehrheitlich dem chinesischen Staat gehört. Trump will darin kein Problem erkennen. "Das Gesetz ist voll auf meiner Seite, der Präsident kann keine Interessenkonflikte haben", sagte er der New York Times.

Tatsächlich gibt es kein Gesetz, das den Präsidenten zwingen würde, Geschäfts- und Staatsinteressen zu trennen. Zwar gibt es strenge Auflagen für Bundesbeamte, die bei potenziellen Interessenkonflikten ihre Befugnisse an Kollegen abgeben müssen. Wer dagegen verstößt, dem drohen strafrechtliche Konsequenzen. Der Präsident ist davon jedoch explizit ausgenommen, weil er in jedem Fall seine Handlungsfähigkeit behalten soll.

Bisher war das ein eher theoretisches Problem. Seit Lyndon Johnson in den sechziger Jahren hat jeder Präsident einem Treuhänder die Verwaltung seiner Vermögenswerte überlassen. Damit wusste er nicht, wie sich seine Regierungsentscheidungen auf sein persönliches Vermögen auswirken würden. Erst Präsident Obama verzichtete darauf. Seine Ersparnisse steckten in breit investierenden Aktienfonds und Anleihen, auf deren Entwicklung seine Regierung allenfalls indirekt hätte Einfluss nehmen können.

Trump hat erklärt, er werde die Leitung seines Unternehmens abgeben – an seine erwachsenen Kinder. Donald junior, Eric und Ivanka Trump besetzen bereits heute Führungspositionen in der Trump Organisation. Doch das würde die Interessenkonflikte kaum ausräumen. Zumal bisher wenig darauf hindeutet, dass Trump seine Kinder von seinen politischen Aufgaben fernhalten möchte. Vor allem Tochter Ivanka und ihr Mann Jared Kushner, ebenfalls Sohn eines Immobilienmilliardärs, gelten als einflussreiche Ratgeber des künftigen Präsidenten. Der Schwiegersohn, das haben Trump und Kushner angedeutet, könnte sogar eine offizielle Rolle im Weißen Haus übernehmen.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 50 vom 1.12.2016.

Während sich Trump auf das Staatsamt vorbereitet, geht er weiter seinen Geschäften nach. Er unterbrach sogar die Diskussion über den neuen Finanzminister, um sich mit einer Delegation von Geschäftsleuten aus Indien zu treffen, wo er Projekte betreibt. Sohn Eric und Tochter Ivanka kamen mit.

Ivanka nahm auch an einem Treffen mit dem japanischen Premier Shinzo Abe teil. Und sie hörte mit, als ihr Vater mit dem argentinischen Präsidenten Mauricio Macri telefonierte. In dem Gespräch soll Trump dem Bericht eines argentinischen Journalisten zufolge auch seine Schwierigkeiten mit der Genehmigung eines Büroturms in Buenos Aires zur Sprache gebracht haben. Sprecher von Trump und Macri dementierten das allerdings.