Angela Rinn ist habilitierte evangelische Theologin, Mitglied der EKD-Synode und Pfarrerin in Mainz-Gonsenheim. Unter dem Namen Vera Bleibtreu schreibt sie Krimis. © Harald Oppitz/KNA

Vor Gott sind alle Menschen gleich – für Menschen untereinander gilt das nicht. Ein Beispiel: Doris Schröder-Köpf lebt in Scheidung von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder und hat sich nun in den Innenminister von Niedersachsen, Boris Pistorius, verliebt. Die Zeitschrift "Bunte" freut sich über die glücklichen Gesichter des neuen Paares, gibt aber zu bedenken, dass Doris Schröder-Köpf nun statt mit dem ehemaligen Bundeskanzler mit einem bislang nur regional bedeutsamen Politiker zusammen ist, der zudem auch noch ein Mann für den zweiten Blick sei.

Zwar besteht laut "Bunte" die Hoffnung, dass bei einem Wahlsieg der SPD der neue Partner der Noch-Ex-Bundeskanzler-Gattin ein Ministeramt ergattert, aber die Sache ist alles andere als sicher. Klarer Fall: Mit der neuen Partnerschaft ist ein hierarchischer Abstieg verbunden, und das, so mutmaßt die "Bunte", kratzt auch an Gerhard Schröder. In anderen Zeiten und Ländern ließen sich solche Probleme verhindern, indem man die Gattin final entsorgte.

Doch Köpfen oder Verbrennen ist in Deutschland aus der Mode gekommen. Diese Lösungsmöglichkeiten für das Dilemma scheiden also aus. Bei allem Verständnis für die Sorgen des ehemaligen Bundeskanzlers gebe ich zu bedenken, dass Frau Schröder-Köpf nach dem Ende ihrer Ehe mit Gerhard Schröder ja kaum eine Alternative bleibt, wenn sie nicht dauerhaft ledig bleiben will.

Schließlich ist die Auswahl an ehemaligen Bundeskanzlern nicht allzu groß. Helmut Schmidt ist gestorben, und ob sie zu Helmut Kohl passen würde, ist angesichts dessen Parteibuchs fraglich. Außerdem ist der noch verheiratet. Auch Angela Merkel kommt nicht in Betracht.

Einzig positiv an der verfahrenen Situation ist, dass Gerhard Schröder in der glücklichen Lage ist, dass jede weitere Frau an seiner Seite sozial aufsteigt. Eine eventuelle fünfte Frau Schröder würde automatisch zur Ex-Bundeskanzler-Gattin werden. So geht es für ein neues Paar nach unten auf der sozialen Leiter, für ein anderes nach oben, jedenfalls nach der "Bunte"-Logik.

Dieser Artikel stammt aus Christ & Welt, den Extraseiten der ZEIT für Glaube, Geist und Gesellschaft.

Ich frage mich, ob solche verzwickten Fragen auch für die Ehen von Normalsterblichen gelten und ob das Auswirkungen auf die Gestaltung der kirchlichen Trauung haben könnte. Beim Traugespräch müsste ich dann feststellen, welcher Partner durch die Eheschließung auf- und welcher absteigt, und dies womöglich im Gottesdienst entsprechend inszenieren. Die Klappleiter unserer Küsterin könnte unter diesen Umständen eine ganz neue liturgische Funktion bekommen. Möglicherweise könnte man auch die Sitzordnung der Familien entsprechend planen. Die bessere Hälfte kommt nach vorne, die anderen sind Hinterbänkler.

Bei Gelegenheit werde ich meinen Mann fragen, wie er das Ganze im Blick auf unsere Ehe einordnet. Doch im Grunde wünsche ich mir schon aus emotionalen Gründen keinen Perspektivenwechsel, auch wenn ich eher eine Frau für den zweiten Blick bin.