Die Nachricht kam unscheinbar daher. Bildungsministerin will Studienabbrecher in Lehre vermitteln, titelte die Berliner Morgenpost: 29 Prozent aller Bachelorstudenten brächen ihr Studium ab, zitiert die Zeitung aus einer Studie. Einer Studie, die angeblich noch gar nicht fertig ist. Erstellt wurde sie vom Deutschen Zentrum für Hochschulforschung (DZHW) im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und der Stiftung Mercator. Die Arbeit sei "noch nicht ganz abgeschlossen. Aus diesen Gründen kann eine abschließende Bewertung der Befunde noch nicht stattfinden", teilt Ulrich Heublein vom Zentrum für Hochschulforschung auf Anfrage mit. Auch aus dem BMBF heißt es: Die Studie sei noch nicht fertiggestellt, "weshalb wir keine Ergebnisse kommentieren". Klingt verdächtig nach einem Maulkorb.

Was steht denn nun in der Studie, die besondere Relevanz hat, da das Statistische Bundesamt in der vergangenen Woche einen neuen Studentenrekord bekanntgegeben hat: 2,8 Millionen. Der wichtigste Befund: Die Fachhochschulen haben ein Qualitätsproblem. Die Bachelor-Abbrecherquote, die vor vier Jahren bei 19 Prozent lag, ist um fast die Hälfte gestiegen: auf 27 Prozent. Gleichzeitig haben die Universitäten den Anteil von 35 auf 32 Prozent senken können. Die Zahlen für den Bachelor beziehen sich auf den Studienanfänger-Jahrgang 2010/11. Das Problem der Fachhochschulen zeigt sich auch im Master. 19 Prozent von den Studenten, die im Jahr 2012 ein Masterstudium begonnen haben, brachen ab – zwei Jahrgänge zuvor waren es nur sieben Prozent. Damit sind die Fachhochschulen sogar über die Universitäten hinausgeschossen, dort stieg die Abbrecherquote von 11 auf 15 Prozent.

Was also ist los an den Fachhochschulen? Laut einer der ZEIT vorliegenden Fassung der Studie schlägt durch, dass immer mehr Abiturienten studierten und neue Erstsemester überproportional an die Fachhochschulen strömten.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 50 vom 1.12.2016.

Die FHs denken um. 78 von ihnen haben bis 2016 beim "Qualitätspakt Lehre" von Bund und Ländern erfolgreich Geld beantragt, um durch besondere Projekte die Abbrecherquoten zu senken. In einigen Jahren wird sich zeigen, welche Ideen greifen. Besonders dramatisch ist die Situation in der Informatik: Hier schnellte die Abbrecherquote an den FHs von 27 auf 41 Prozent hoch. An den Universitäten liegt die Quote bei 45 Prozent. Beschämende Werte im Zukunftsfeld Digitalisierung.

Besteht Hoffnung? Ja! Es gibt Fortschritte bei Fächern, die noch vor wenigen Jahren am meisten gescholten wurden: den Ingenieurwissenschaften. Vor vier Jahren ermittelte das Deutsche Zentrum für Hochschulforschung für den Ingenieur-Bachelor an Universitäten eine Abbrecherquote von dramatischen 48 Prozent. Die Ingenieure haben umgedacht und vor allem die Studieneingangsphase neu gestaltet, Ergebnis: Nur noch 32 Prozent brechen ab.

Die Abbrecherstudie wird Debatten auslösen. Sie muss nun offiziell veröffentlicht werden, damit die Forscher sie frei kommentieren können. Einen Termin dafür kann das BMBF indes nicht nennen.