Früher hat Clemens Vedder feine Privatbankiers gern auch mal geärgert. Weil er mit dem Kölner Geldhaus Sal. Oppenheim über Kreuz war, ließ er zum Beispiel auf einer Hauptversammlung Polohemden verteilen, auf denen der Spruch prangte: "Wir haben schon ganz anderer Leute Vermögen halbiert. Sal. Oppenheim – Privatbankiers bis 2010".

Neuerdings aber ist Vedder nett zu dieser Bank. Er hilft ihr sogar, ihre größten Probleme zu lösen: milliardenschwere Streitigkeiten mit einstigen Kunden. Jahrelang hat die Versandhauserbin Madeleine Schickedanz gerichtlich mit der Bank gerungen. Sie hat Sal. Oppenheim vorgeworfen, sie in ein Engagement beim untergehenden Warenhauskonzern Arcandor getrieben zu haben, das sie um ihr Vermögen brachte. Sie hat von der Bank 1,9 Milliarden Euro Schadensersatz gefordert. Die Bank hat eine Gegenforderung von 575 Millionen Euro aus Kreditgeschäften aufgemacht. Jetzt haben die Parteien sich außergerichtlich verglichen – dank der Vermittlung von Vedder. Über die Details schweigen die Parteien.

Damit sind endlose Gespräche zu Ende gegangen, die Vedder als Mediator Geduld und Geschick abverlangt haben müssen. Schickedanz’ eigentlicher Widerpart nämlich war die Deutsche Bank, die das in die Arcandor-Havarie verstrickte Kölner Bankhaus Sal. Oppenheim 2010 übernommen hat. Und der Vorstand der Deutschen hat derzeit jede Menge anderer Probleme auf dem Tisch.

Hauptgegenstand der Auseinandersetzung war, folgt man der Schickedanz-Klage gegen Sal. Oppenheim beim Kölner Landgericht, der stattliche Immobilienbesitz der Klägerin, auf den die Bank Grundpfandrechte beanspruchte. Deren Abwicklung muss geregelt werden. Schickedanz kam es dem Vernehmen nach schließlich nicht mehr auf jede Million an, sondern auf die Sicherung eines "standesgemäßen Lebens". Tageszeitungen haben die Bank als den Gewinner des Vergleichs bezeichnet – wohl weil Schickedanz nicht die geforderten 1,9 Milliarden, sondern nur einen dreistelligen Millionenbetrag herausbekommt. Im Umkreis der angeblichen Verliererin allerdings ist große Zufriedenheit wahrnehmbar.

Er nennt sich "Kaufmann im Ruhestand mit abgeschlossener Vermögensbildung"

Die Causa Schickedanz war nicht die einzige Erblast, die Sal. Oppenheim der Deutschen Bank bescherte. Streit hatte das Kölner Geldhaus auch mit den Familien Schwarz-Schütte (Schwarz-Pharma), Kreke (Douglas-Parfümerien und Thalia-Buchläden), Neven DuMont (Verlage) und vielen mehr. Rund fünfzehn Fälle sind mittlerweile durch Vergleiche beigelegt, bei denen Vedder als Mediator aktiv gewesen sein soll. Am vergangenen Montag teilte das Landgericht Köln mit, dass eine endgültige Entscheidung im Fall Schickedanz auf Januar vertagt sei.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 53 vom 21.12.2016.

Vedder selbst bezeichnet sich als "Kaufmann im Ruhestand mit abgeschlossener Vermögensbildung" und hat in seinen Kreisen mittlerweile einen Ruf als erfolgreichster Friedensstifter der deutschen Wirtschaft. Dass sich die Zahl seiner Vermittlungsjobs im hohen zweistelligen Bereich bewegt, mag er aber nicht bestätigen. Als Nächstes wird er versuchen, den Konflikt zwischen Media-Markt-Gründer Erich Kellerhals und der Metro um die Macht bei der Media-Saturn-Gruppe zu lösen.

Vedder hat es vom Kaufmannslehrling im niedersächsischen Nordhorn weit gebracht. Er vertrieb Steuersparmodelle und war an einigen großen Deals im Einzelhandel beteiligt, was ihm ein dreistelliges Millionenvermögen und damit einen Stammplatz in Deutschlands Reichen-Ranglisten einbrachte. Wer ihn in seiner aktiven Zeit als Investor erleben wollte, musste Hauptversammlungen besuchen. Dort pflegte er als kritischer Aktionär Vorstände und Aufsichtsräte mit kenntnisgespickten Fragen zu konfrontieren. Mehr noch nahm man ihn in der Rolle des wachen Beobachters wahr, dem nichts zu entgehen schien. In seinen selbst entworfenen, schlank geschnittenen Anzügen war er eine auffallende Erscheinung unter den Bossen in Nadelstreifen.

Heute lässt es Vedder ruhiger angehen. Wenn er gerade keinen Konflikt schlichtet, gibt er sich vorwiegend kulturellen Verrichtungen hin, für die er immer schon viel übrig hatte. Man sieht ihn auf Kunstauktionen, im Theater von Zürich, bei Vernissagen der Berliner Fotogalerie Camera Work und bei runden Geburtstagen der Wirtschaftsprominenz. Oder auf dem Nürnberger Christkindl-Markt, beim Abstecher von einem Besuch bei Familie Schickedanz.