Wir haben nicht mehr als unseren Körper. In der kurzen Zeit, in der wir leben, können wir all die Eindrücke genießen, die er uns ermöglicht, wir können Jazz hören, Kaninchen mit Polenta essen, Bilder von Jackson Pollock sehen. Unser Hirn erlaubt uns, Emotionen zu spüren, wir können lachen und uns verlieben. Es lohnt sich sogar, sich in negativen Gefühlen zu suhlen, sie sind der Beweis dafür, dass wir leben. Man kann zum Beispiel nicht genug dafür Werbung machen, einfach mal richtig zu heulen. An diesen Hedonismus der Sinne und Gefühle erinnert der Film Perfect Sense. Er ist die Zelluloidwerdung von Elisabeth Kübler-Ross’ Theorie der fünf Stadien des Verlustes, eine metaphorisch völlig überlastete Liebesgeschichte vor dem Hintergrund einer globalen Pandemie, ausgestattet mit hinterhältig manipulativen Geigenklängen. Ewan McGregor und Eva Green verlieben sich in Glasgow. Er ist Koch, sie Virologin. Beide stecken sich mit der Krankheit an, die buchstäblich die Sinne raubt. Zuerst den Geruchssinn, dann den Geschmackssinn, bis die Menschen auch nicht mehr hören oder sehen können. Es ist eine langsame Pandemie, und es ist ein langsamer Film, die Krankheit ergreift die ganze Welt, und die Menschen versuchen, damit zurechtzukommen. Der Koch und sein Team versuchen, ihr Restaurant auch für Menschen, die weder riechen noch schmecken können, attraktiv zu gestalten, sie erschaffen kulinarische Kunstwerke, die durch ihre Ästhetik, ihre Konsistenz bestechen. Als niemand mehr hören kann, entstehen Konzerte, auf denen man die Musik vor großen Boxen spüren kann. Perfect Sense feiert auch das zutiefst menschliche Bedürfnis nach Kunst, nach Ästhetik, der Maximierung unserer Sinneseindrücke. Und er ist die emotionale Achterbahn einer Trennung. Denn bevor man einen Sinn verliert, wird man von einem Gefühl überwältigt: beim Geruchssinn von Trauer, beim Geschmack von Angst, beim Hören von Wut und schließlich, bevor man erblindet, noch ein Mal vom größten Geschenk unseres Gehirns: von absolutem Glück.