In der Wissenschaft funktioniert die europäische Idee manchmal noch. Im Kampf um Werte, in der Auseinandersetzung mit mächtigen Gegnern steht man zusammen. Gerade haben drei nationale Wissenschaftsakademien – die französische Académie des sciences, die britische Royal Society und die deutsche Leopoldina – gemeinsame Leitsätze für eine gute wissenschaftliche Publikationspraxis veröffentlicht: "Wissenschaftliche Informationen sollen effizient und hochwertig verbreitet, Interessenkonflikte vermieden, die Artikel fair geprüft und Auswahl und Redaktion durch anerkannte Wissenschaftler verantwortet werden." Was wie eine Ansammlung von Allgemeinplätzen klingt, bedarf offenbar der vorsorglichen Selbstvergewisserung.

Aus gutem Grund: Der Markt der wissenschaftlichen Fachzeitschriften wird von wenigen Verlagen beherrscht. Allein Elsevier publiziert mehr als 2.000 Journale, für die Institute und Bibliotheken stetig steigende Abonnementgebühren zahlen müssen. Der Verlag nutzt seine Marktmacht dabei rücksichtslos aus.

Nach vereinzeltem Widerstand (Abo-Kündigungen, Autorenboykotte) haben sich wissenschaftliche Einrichtungen in Deutschland zusammengetan, um mit Elsevier einen nationalen Vertrag auszuhandeln. Das erste Angebot des Verlags haben die Forscher abgelehnt. "Trotz der derzeit bei 40 Prozent liegenden Umsatzrendite setzt der Verlag weiter auf Preissteigerungen jenseits der bislang bezahlten Lizenzsummen", teilte Horst Hippler, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Anfang Dezember mit. Der Verlag lehne zudem transparentere Geschäftsmodelle ab, die Publikationen offener zugänglich machen würden.

Elsevier will also weiter viel Geld verdienen und sträubt sich gegen einen notwendigen Kulturwandel: Bisher bezahlen – wie im normalen Zeitschriftenhandel – die Leser. Künftig sollen die Resultate aller mit öffentlichen Geldern finanzierten Forschungen auch öffentlich zugänglich sein. Das nennt sich "Open Access" und soll sich unter anderem dadurch finanzieren, dass Forscher nun bei der Veröffentlichung ihrer Ergebnisse eine Art Bearbeitungsgebühr für Begutachtung, Redaktion und Distribution der Artikel entrichten. Bei Open Access zahlen die Autoren, nicht die Leser.

Während dieses Umbruchs aber bedienen sich manche Verlage gleich mit beiden Geschäftsmodellen bei der Wissenschaft. Nun zahlen die Forscher doppelt: als Autoren für die Publikation – und als Nutzer für die Lektüre. Inzwischen haben mehrere Universitäten ihre Vereinbarungen mit Elsevier gekündigt. Die Folge: Vom 1. Januar an könnte mehr als 60 wissenschaftlichen Einrichtungen der Zugang zu Elsevier-Journalen verwehrt sein.

Zurzeit sind die Verhandlungen unterbrochen. Der Verlag verweist auf "die Komplexität und das Gesamtvolumen des zu verhandelnden Vertrags". Und er habe doch "Vorschläge für eine Abonnement-Lizenz und separat für Open-Access-Publikationen gemacht", wie man bei Elsevier stolz betont.

Die Trennung der Modelle verspricht dem Verlag mehr Umsatz. Den notwendigen Wandel aber wird es nur geben, wenn man beide Modelle gemeinsam verhandelt und so den Übergang organisiert. Es geht dabei um mehr als Geld. Es geht auch um die künftige Verfasstheit unserer Wissensgesellschaft. Angesichts des wachsenden Zweifels an wissenschaftlichen Fakten ist der offene Zugang zu ihnen wichtiger denn je.