In Gawair, einem Elendsviertel in Bangladeschs Hauptstadt Dhaka, traf Dan Archer die Textilarbeiterin Rina. Wie viele ihrer Kollegen lebt Rina in Armut – ihr Zuhause ist nur wenige Quadratmeter groß.

Die Textilfabriken zahlen extrem niedrige Löhne. Immer wieder hört Dan Archer bei seinen Recherchen, dass Gesetze zur Sicherheit am Arbeitsplatz missachtet werden. Die Konkurrenz zwischen den Fabrikbesitzern ist hart – alle sind abhängig von Billigaufträgen aus dem Westen.

Aus früheren Katastrophen haben die Fabrikbesitzer wenig gelernt. Im Zweifel ist ihnen Gewinn wichtiger als als die Sicherheit ihrer Mitarbeiter. Kommt es zu einem Unglück mit Todesopfern, fehlt Geld, um die Hinterbliebenen zu entschädigen oder die Opfer angemessen zu bestatten.

Wo müsste man ansetzen, um die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie zu verbessern? Wer kann die Fabrikbesitzer unter Kontrolle bringen? Dan Archer traf sich mit dem einflussreichen Lokalpolitiker Hossain Toffazaal. Der Bezirksbürgermeister träumt von Gerechtigkeit und Wohlstand für alle. Wie diese etwas wolkigen Ziele umgesetzt werden sollen? Toffazaal weiß es nicht. Überhaupt ist es nicht einfach, in ihm ein Vorbild zu sehen. Toffazaal hat Schlagstöcke dabei, wenn er durch sein Viertel fährt. Er findet nichts dabei, sie auch einzusetzen. 

Die meisten Menschen in Gawair, mit denen Dan Archer gesprochen hat, machen sich keine Illusionen mehr über die Textilindustrie. Wer dort arbeitet, findet keinen Weg aus der Armut. Die Jüngeren, vor allem Studenten, suchen nach anderen Lebensentwürfen. Sie träumen von modernen Jobs, von etwas Wohlstand.  

Menschen wie Abu Hanif bringen das Land im Kleinen voran – gegen Widerstände und trotz der drückenden sozialen und ökologischen Probleme, mit denen sich Bangladesch konfrontiert sieht.


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Die Recherche von Empathetic Media für diese Reportage wurde durch ein Innovation-in-Development-Reporting-Stipendium des European Journalism Centre ermöglicht, das durch die Bill and Melinda Gates Foundation finanziert wird.

Die Autoren danken Mohammad Shafikur, Rahman Jewel und Katrin Winter von der Maria Christina Foundation für die Unterstützung vor Ort, Taslima Akhter und Rahnuma Ahmed für ihre Übersetzungsarbeit sowie Dr. Saleemul Huq, Direktor des International Centre for Climate Change and Development.