Das war nach Donald Trumps Geschmack nun sicher ein bisschen arg viel Aufmerksamkeit für diesen Jesus von Nazareth und sein Weihnachten. Schließlich ist der schon lange tot und hat es gerade mal zu einer einzigen Auferstehung gebracht, die zudem nur seine eigene war. Trump hingegen ward Amerika erst im November als Präsident geschenkt und hat das ganze Land wiederaufgerichtet, und das bevor er sein Amt im Januar überhaupt antritt. Damit die Menschheit das trotz der Feierlichkeiten für diesen Jesus nicht vergisst, wandte sich Trump am Montag über Twitter an seine Jünger und sprach: "Die Welt war düster, bevor ich gewann – es gab keine Hoffnung. Jetzt ist der Markt um fast zehn Prozent gestiegen, und die Weihnachtsausgaben betragen über eine Billion Dollar!"

Tatsächlich sind die Aktienkurse vieler Unternehmen seit Trumps Wahl gestiegen. Schließlich plant Trump, Steuersätze zu senken, Geld für Straßen und Rüstung auszugeben, beim Geldverdienen störende Regeln abzuschaffen (warum Banken kontrollieren?) und sogar einen, das heißt wirklich so, Steuerfeiertag einzuführen, an dem Unternehmen ihre im Ausland versteckten Milliarden zurückholen und zu steuerparadiesischen Sätzen abgelten dürfen.

Ronald Reagan machte dereinst eine ähnliche Politik, verbunden mit dem Versprechen, dass der Wohlstand von den Reichen oben zu den Armen nach unten durchsickert. Die Ungleichheit ist seitdem aber größer geworden. Trumps neue Regierung ist ein Spiegel dieser Entwicklung. Ihre 17 Mitglieder haben zusammen so viel Vermögen wie das ärmste Drittel aller US-Haushalte zusammen.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 1 vom 29.12.2016.

In seiner Studie Die Suche nach dem Erlöser der Firma beschreibt der Ökonom Rakesh Khurana das "irrationale Streben nach charismatischen Vorstandschefs". Deren Berufung in Unternehmen führe oft zu Kurzfristdenken. Es profitiere nur der corporate savior, der Erlöser, der Macht und Geld gewinne – für die Firma zahle sich das langfristig häufig nicht aus. In Donald Trump haben sich die Amerikaner einen corporate savior zum Anführer für ihr Land gewählt. Kurzfristig mag er gute Zahlen liefern. Langfristig wird er vor allem jene enttäuschen, die dem Erlöser alles gaben, was ihnen noch Hoffnung machte: ihre Stimme.