In jenem Moment, in dem sich die Tür hinter mir schließt, ich die Tasche auf den Sessel stelle, lautlos, als dürfe man mich nicht entdecken, behutsam, als beträte ich eine Filmkulisse, die unverändert bleiben muss, in jenem Moment beginne ich zu verstehen: In diesem Bett werde ich schlafen, die Kopfkissen aufrecht und stolz, in dieser Badewanne werde ich liegen, das goldene Emblem ist in die Handtücher gestickt, RITZ. Ich falte sie auf, apricotfarben, weiblich, ich halte sie in den Händen, rieche am Stoff.

Ich muss früher beginnen, bei der Ankunft, Paris, Charles de Gaulle, weil es dort anfängt: das Staunen. Ich steige aus dem Flugzeug, und dort steht, zehn Schritte entfernt, eine Dame mit Schild in der Hand, das goldene Emblem, RITZ, bereits auf der Passagierbrücke werde ich empfangen. Ich bin noch zerknittert, Schulterblick: Ob dieses Privileg Anstoß erregt?

Die Dame erkennt mich, als wäre ich bekannt. Ich mustere sie, sie mustert mich. Zweifelt sie plötzlich, ob ich der Gast bin, den sie erwartet? Jacke von H&M, Hose von H&M, ungekonnt polierte Schuhe. Wer poliert denn so seine Schuhe? Wir gehen durch das Flughafengebäude, die Dame macht Konversation. Lobt, unberechtigterweise, mein Französisch. Draußen wartet eine Limousine, schwarz und lang. Die Dame übergibt mich: Als sei Luxus eine Kühlkette, der Gast muss nicht stehen, nicht warten, alles greift ineinander.

Ich sitze im Fond des Wagens, eine weiße Mappe liegt bereit, darauf das goldene Emblem, RITZ. Der Fahrer sieht aus wie ein Familienvater aus einer französischen Komödie, sympathisch also. Er justiert für mich die Klimaanlage, referiert das Wetter für die kommenden Tage. Wir sprechen über deutsche Autos, über französische Politik; er stimmt zu, fügt an, gelegentlich blickt er in den Rückspiegel. Ich fühle mich wohl bei ihm. Ich sehe Hochhäuser und Industrieanlagen, Pariser Vororte. Er fährt sanft, kein ruckhaftes Bremsen. Die Türen sind dick und schwer.

Ich muss noch früher beginnen, in der Kindheit. Ich bin Camper, das hat man mir anerzogen, und ich mag das sehr: das Geräusch, wenn man das Zelt öffnet, das helle Ratschen. In Badehose und mit Klopapier unter dem Arm über den Campingplatz gehen. Man grüßt sich. Hallo. Guten Morgen. Mit Klopapier unter dem Arm sind alle Menschen gleich.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 1 vom 29.12.2016.

Wie gut das Gefühl ist, mit freiem Oberkörper auf einem Klappstuhl zu sitzen, barfuß in einem Pinienwald. Das Warten am Gaskocher, Miracoli als abendliche Verheißung. Scrabble spielen im Kerzenlicht, lesen mit der Taschenlampe, das Schattenspiel auf der Zeltwand. Wie man schaukelt, wenn man sich auf der Luftmatratze dreht, man schaukelt wie ein Schiff auf dem Ozean.

Ich hatte nie Sehnsucht nach Hotels. Schon eine Nacht im Ibis fand ich teuer, das sind mindestens fünf Tage auf dem Campingplatz. Doch die Dinge änderten sich. Ganz langsam. Das Leben wurde komplizierter, die Welt lauter, der Alltag schneller. Mich begann die Vorstellung zu faszinieren, dass man ankommt, den Koffer abstellt, sich einfach ins Bett fallen lässt. Und dass einem nachts keine Spinne in den Mund läuft.