Wenn ich fortan nach Quartieren schaute, veränderte ich meine Suche, testweise, man kann ja mal gucken: Hotel, fünf Sterne, mit Pool. Ich klickte mich durch Bilderstrecken. Ich sah Schlösser, Marmor und Gold. Geharkten Kiesweg, gestutzte Hecken. Wie es wohl wäre, in diesem Bett zu versinken, mir diesen Bademantel umzulegen, in diesen Pool zu steigen, mich treiben zu lassen, bis der Hunger kommt? Wie fühlt sich Luxus an? Ich wollte es ausprobieren: Heute ein König.

Für meine Expedition kam nur ein Ort infrage. Seit ich als Junge mal staunend vor dem Ritz gestanden habe, ehrfürchtig und klein, frage ich mich, was hinter dieser Fassade geschieht. Ich habe Bilder im Kopf: von Großbürgern und Schriftstellern, von feinen Damen, die mit Champagner in der Hand in der Badewanne liegen, und von Herren in schweren Sesseln. Wann immer ich an Luxus dachte, fiel mir das Ritz ein. Ich buchte zwei Nächte im günstigsten Zimmer. Tausend Euro die Nacht.

Der Fahrer lenkt den Wagen auf die Place Vendôme, Boutiquen, Dior, Rolex, Patek Philippe, ein Platz mit Obelisk in der Mitte, ein absolutistisches Rechteck, erbaut von Ludwig XIV. Der Wagen dreht eine Ehrenrunde für den Gast, bevor er am Ritz zum Stehen kommt. Wie steigt man hier aus? Wie viel Trinkgeld gibt man einem Mann, der üblicherweise Millionäre chauffiert? Ich gebe ihm zehn Euro. Ein Page öffnet mir die Tür, weiße Handschuhe, helle Uniform, er greift nach meinem Gepäck, bevor ich es tun kann. Willkommen.

Ich gehe unter hellen Korbmarkisen auf rotem Teppich, gläserne Drehtür, ich trete in die Lobby: Hier ist die Welt größer, opulenter, wärmer. Samtene Vorhänge in Königsblau, goldener Saum. Marmor, dunkles Holz. Ich fühle mich wie ein Kind vor dem Weihnachtsbaum. Was ist das für ein Geruch? Vanille? Honig? Milch? Ob es die Reste eines Parfums sind? Es übernimmt ansatzlos François, der Guest Relations Manager. Glatt rasiert, akkurat gekämmt. Er wird mir die nächsten zwei Tage zur Seite stehen. Andeutung einer Verbeugung. "Bonjour, Monsieur Dachsel".

François führt mich aufs Zimmer. Wir fahren im Aufzug und schweigen, er lächelt. Müsste ich jetzt was sagen? Ich fülle die Stille mit der Frage zu einem Drink, der hier erfunden wurde, dem Serendipity. Zerstoßene Minze, Calvados, frisch gepresster Apfelsaft, Champagner, Eis. "Sollte ich so einen trinken?" – "Sollten Sie unbedingt", sagt François. Merkt er, dass ich aufgeregt bin?

Als wir im Zimmer ankommen, zückt er seine Visitenkarte. Königsblau, goldenes Emblem. Ich soll ihn anrufen, bei jedem Wunsch. Dann schließt er die Tür, ich stelle die Tasche auf den Sessel. Ich schlüpfe in Hausschuhe aus Plüsch, apricotfarben, goldenes Emblem. Weiche Sohle. Als ginge man auf Marshmallows. Ich atme auf – allein in meinem Reich.

Ein Blick in den Innenhof: ein barocker Park, Gartenmöbel, ein Kiesweg. Das Zimmer sieht nach Versailles aus, nach königlicher Verschwendung. Ich drehe den Hahn im Bad auf, das Wasser strömt aus goldenen Schwänen. Ich mache die Deckenlampen an, goldene Drehschalter, das Licht ist gutmütig und sanft. Auf einer goldenen Etagere liegen Pralinen, sechs Stück. Sind die umsonst? Ich esse sie alle. Ich schließe die Gardinen, schlage das Bett auf, lasse mich fallen. 15.30 Uhr. Es ist Nacht.

Im Zelt steht zwischen dir und der Welt nur eine Nylonwand. Wenn die Sonne beschließt, dass du aufzustehen hast um sechs Uhr morgens, dann hast du aufzustehen. Wenn der Wind beschließt, dass er an den Zeltstangen reißen will, dann reißt er an den Zeltstangen. Wenn nachts der Regen beschließt, dass er dich wegspült, dann spült er dich weg. Und wenn deine Nachbarn beschließen, Sex zu haben, dann hörst du das, Anfang, Höhepunkt, Schluss.