Mein Mittagsschlaf dauert zweieinhalb Stunden. Als ich erwache, wundere ich mich drei Millisekunden lang, wo ich gelandet bin. Ich setze mich auf, schalte das Licht an. Ich habe Hunger. Die Speisekarte des Zimmerservice hält für einen Camper einige Pointen bereit. Trüffelrisotto: 90 Euro. Canapés mit Beluga-Kaviar: 800 Euro. Eine Flasche Champagner: 1.200 Euro. Eine Flasche Château Pétrus: 8.200 Euro. Ich bestelle einen Burger mit Pommes und ein Bier, 40 Euro. Eine Viertelstunde später klingelt es an der Tür.

Ich öffne in Sporthose und T-Shirt. Zerzauste Haare. Der Herr, "bonsoir Monsieur", schiebt einen weiß gedeckten Tisch in den Raum. Er holt den Burger darunter hervor, aus einem Wärmeschrank. Es sieht aus, als könnte er zaubern. Voilà! Das Heineken steht in einem Weinkühler, umgeben von Eis. Ich bin noch nicht wach genug, um zu sagen: Lassen Sie es einfach hier, ich esse im Bett.

Also beginnt das Schauspiel: Er richtet den Tisch zum Fernseher aus, zentimetergenau, noch ein bisschen nach rechts, noch ein bisschen nach links.

"Wie wünschen Sie Ihr Bier?"

Ich sitze auf der Bettkante. "Ääähh ..."

"Soll ich es einschenken?"

"Okay."

Er schenkt ein, behutsam wie ein Sommelier, bis das Glas halb voll ist, dann streckt er es mir entgegen.

"So?" – "Perfekt."

"Manche Gäste haben ein spezielles Verhältnis zum Bier, wissen Sie?"

"Mein Verhältnis zum Bier ist, dass ich es trinke", antworte ich und schicke, in der Befürchtung, dass mein Satz zu schroff geraten ist, ein unsicheres Lachen hinterher. Er rückt den Stuhl zurecht, weist auf die Sitzfläche. "Bitte setzen Sie sich." Meine Haare stehen in alle Richtungen. Ich drücke sie mit der flachen Hand an den Kopf. Ich setze mich. Messer und Gabel in der Hand, ein Burger vor mir. Der Herr verabschiedet sich, mit leichter Verbeugung.

Ich sitze in diesem Haus – 1898 von César Ritz mit dem Anspruch eröffnet, dass es das beste Hotel der Welt werden möge; einst bewohnt von Marcel Proust, von Coco Chanel, von Ernest Hemingway, von Elton John, von Lady Diana, von Pariser Großbürgern, die sich hier fühlen wollten wie der Adel; unlängst renoviert für 200 Millionen Euro, neu poliert und aufgepolstert – und beiße in einen Burger, mein Mund ist mit Mayonnaise verschmiert, vom Kinn bis zur Nase.

Nach dem Essen überlege ich kurz, da halte ich das Telefon schon in der Hand, ob ich François anrufe, den Guest Relations Manager. Ich habe meine Zahnbürste zu Hause vergessen. Ich drehe die Visitenkarte in meiner Hand, wähle seine Nummer, es klingelt, einmal, zweimal, dann lege ich wieder auf. Es ist mir peinlich, einen erwachsenen Menschen loszuschicken, weil ich meine Zahnbürste vergessen habe. Ich ziehe mir eine Jeans an und gehe in den Supermarkt. Die Stadt ist voll, ich überhole genervt Touristen, sie stehen im Weg und schauen sich Fassaden an. An einer Kreuzung renne ich bei Rot über die Straße, ein Roller bremst vor meinen Füßen. Ich hebe die Hand, Entschuldigung.

Ich greife zu einer silbernen Zange. Klemme ein Stück Zucker ein. Auf halber Strecke fällt das Zuckerstück in den Orangensaft. Nur Haltung bewahren.

Vor dem Schlafengehen drehe ich vier Runden im Schwimmbad, in einer Halle, so groß wie ein Kirchenschiff, ich schaue an die Decke, sie ist hellblau und weiß bemalt, ein sommerlicher Wolkenhimmel mit Stuckrand, und so hoch, dass jedes Wort hallt, jeder Schritt. Ich tauche ab, ein Muster aus Mosaikfliesen am Boden, Sprudelwasser am Beckenrand zur Rückenmassage. Ich schwimme auf und ab. Mache den toten Mann. Tauche ab. Tauche auf. Absolute Stille.

Ich bin ganz allein, selig und froh. Es ist wie in der Limousine, auf der Fahrt ins Hotel: Mein Luxus ist es, zu verschwinden, mich fernzuhalten von dieser aufgekratzten Welt. Ich blättere in How to spend it, liege in der Sauna, sitze im Dampfbad. Aus der Dusche regnet aromatisiertes Wasser, mit Knöpfen an der Armatur wähle ich die Art des Duschgangs: viel Druck, wenig Druck, tröpfelnd, plätschernd, warm, kalt. Ich creme mich mit einer Lotion ein, die in der Umkleide steht. Sprühe irgendetwas in meine Haare. Kämme mich. Ich gehe schon etwas aufrechter durch die Lobby, schwarzes Hemd und Seitenscheitel, wohlriechend. Ich nehme meinen Platz ein, etwas abseits auf einem Sessel, und beobachte. Ein Herr liest Zeitung, die Beine übereinandergeschlagen. Gedämpfte Gespräche. Eine Dame schreitet durch die Lobby, anmutig wie Grace Kelly in Die oberen Zehntausend. Kein Blick links, kein Blick rechts, die Haare blond und gewellt. François führt ein Ehepaar zum Aufzug. Bilde ich mir das ein, oder freut er sich, mich zu sehen? "Bonsoir Monsieur".