Baxter ist eine eindrucksvolle Erscheinung: fast zwei Meter groß, seine Arme dick wie Oberschenkel. Dennoch nimmt er das schwarze Plastikteil ganz behutsam vom Laufband und legt es in eine Transportbox. Dann noch eines und noch eines, bis eine komplette Lage gepackt ist. Bevor er mit der nächsten Lage beginnt, legt er vorsichtig etwas Karton darüber. Ist die Box voll, schickt er sie per Laufband zu einem Kollegen. Und obwohl er stundenlang und ohne Pause immer nur die gleichen Handgriffe erledigt, ist Baxter keine Langeweile anzumerken. Das liegt daran, dass Baxter ein Roboter ist.

Entworfen haben ihn Ingenieure von Rethink Robotics, einem Start-up in Boston an der amerikanischen Ostküste. In einem alten Backsteingebäude, wo Anfang des vergangenen Jahrhunderts noch Arbeiter vor den ersten Industriewebstühlen standen, werden heute Maschinen gebaut, die an Maschinen arbeiten können.

Direkt hinter der Eingangstür von Rethink Robotics wartet bereits das erste Exemplar von Baxter. Mit seiner knallroten Plastikummantelung sieht er aus wie ein überdimensioniertes Kinderspielzeug. Berührt man ihn an einem seiner Arme, reagiert er sofort und dreht dem Besucher einen Monitor entgegen, etwa so groß wie ein Tablet. Dabei bewegt er sich ähnlich wie ein Mensch, den man am Ärmel gezupft hat. Verstärkt wird die Wirkung durch die großen Bildschirmaugen, die einen anzublicken scheinen.

Das sei keine Spielerei, erklärt Vertriebsleiter Brian Benoit, "der Bildschirm ist das Bedienungspanel für den Nutzer". Baxter kann sechs verschiedene Gesichtsausdrücke verwenden. Sie reichen von neutral über konzentriert bis hin zu traurig, wenn ihm etwa eine Aufgabe misslingt. Im Stand-by-Modus schließt er die Augen. Hat er ein Problem – etwa wenn er keine Teile mehr angeliefert bekommt –, ziehen sich seine digitalen Augenbrauen zusammen, so als wolle er fragen: "Was nun?"

Anhand der Augenbewegungen lässt sich auch erkennen, in welche Richtung der Roboter sich gleich bewegen wird. Das ist wichtig. Anders als die allermeisten Industrieroboter ist Baxter nämlich nicht in einem der Gitterkäfige eingesperrt, die Fabrikarbeiter normalerweise vor den stählernen Maschinen schützen sollen. Baxter und sein kleinerer, einarmiger Bruder Sawyer sind sogenannte Collaborative Robots – kurz Co-Bots. Sie arbeiten unmittelbar mit Menschen zusammen, etwa indem sie Fließbandarbeitern Teile für die Montage anreichen. Dazu müssen sie sehr umsichtig sein.

Anders als die herkömmlichen Fertigungsroboter verfügen Co-Bots über Sensoren, die Zusammenstöße mit ihren Kollegen verhindern sollen. Registrieren Baxters Sensoren einen Menschen, der unerwartet in seinem Arbeitsbereich auftaucht, läuft sein Gesicht orange an, und er hebt alarmiert die Augenbrauen. Wird Baxter angerempelt, schaltet er sich automatisch ab. Dann lässt er seine Arme herunterhängen und senkt den Monitor, sodass er fast so wirkt ein schuldbewusstes Kind.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 1 vom 29.12.2016.

Baxters geistiger Vater und Gründer von Rethink Robotics ist Rodney Brooks. Der gebürtige Australier mit der hohen Stirn und der grauen Mähne sieht nicht nur aus, wie man sich einen Wissenschaftler vorstellt, er ist auch einer: Bevor er seine Firma gründete, forschte er am renommierten Massachusetts Institute of Technology über künstliche Intelligenz. Dort galt er als schräger Vogel, auch weil er Studien mit ungewöhnlichen Titeln wie "Elefanten spielen kein Schach" veröffentlichte.

Theorie allein aber reichte Brooks nie, er wollte Roboter in den Alltag integrieren. 1990 gründete er mit ehemaligen Kommilitonen das Unternehmen iRobot. Es entwickelte zunächst einen Roboter, der später unter anderem bei der Suche nach den Opfern der Terroranschläge vom 11. September in New York eingesetzt wurde. Der kommerzielle Durchbruch kam allerdings mit dem Roomba, einem flachen Haushaltsroboter, der selbstständig staubsaugt.