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Was Mahatma Ghandi für Indien oder Nelson Mandela für Südafrika war, ist die birmanische Menschenrechtlerin für Myanmar. Aung San Suu Kyi setzte sich in ihrem 15-jährigen Hausarrest für die gewaltlose Demokratisierung der Militärdiktatur ein. 1991 erhielt sie den Friedensnobelpreis. Heute ist sie die mächtigste Politikerin jenes Landes, dessen Armeegeneräle die Würde einst mit Füßen traten. Zwar ist sie nicht Präsidentin, hält aber im Hintergrund die Fäden in der Hand. Nun hat sie selbst ein Menschenrechtsproblem, ausgerechnet in ihrem Land, in dem der Buddhismus Staatsreligion ist. Dieser mag zwar predigen, keiner Fliege etwas zuleide zu tun, aber eine Million Rohingya, so heißt die muslimische Minderheit in Myanmar, werden massiv unterdrückt. Seit den Unruhen im Jahr 2012 leben sie als rechtlose Menschen, Hunderttausend davon ghettoisiert in Lagern. Das birmanische Militär steht offiziell nicht unter der Aufsicht Suu Kyis. Doch sie billigt die Aktionen, was sie teuer zu stehen kommen wird. Die Armee tötete bisher 92 Rohingya in ihren Dörfern. 27.000 flohen nach Bangladesch. Malaysia und Indonesien sprechen bereits von einem Genozid und rufen die Vereinten Nationen an. Suu Kyi redet das Vorgehen in ihrem Land klein, warnt vor einer neuen Front des Dschihad in Ostasien. Dass sie durch die Unterdrückung der Muslime an der Gewaltspirale weiter dreht, dürfte der Menschenrechtlerin doch klar sein. Aber sie möchte ihre traditionell muslimfeindliche buddhistische Wählerschaft nicht verprellen. Der Preis ist hoch: Ihr fauler Kompromiss macht aus dem Frieden in diesem angesagten Reiseland einen Friedhofsfrieden. Bis der Krieg zurückschlägt, im Namen des Dschihad.