DIE ZEIT: Sie spielen die Rolle des Stefan Vollmer. Dem fällt das Aufstehen schwer, er kommt oft verkatert zum Unterricht. Hat er den richtigen Job?

Hendrik Duryn: Er hat ein sehr starkes Gerechtigkeitsempfinden und kann die Füße nicht stillhalten, wenn ihm was nicht passt. Dafür fällt schon mal Unterricht aus, oder er kippt einer übervorsorglichen Mutter einen Eimer Wasser über den Kopf. Aber die Schüler mögen ihn, weil er für sie da ist.

ZEIT: Vollmer unterrichtet die Problemklassen an einer Gesamtschule in Köln. Jede Folge dreht sich um einen Schüler, der nicht klarkommt. Mal geht es um Drogen, mal um Religion, um Magersucht, um häusliche Gewalt. Wie realistisch ist die Serie?

Duryn: So was passiert tatsächlich an Schulen. Aber in erster Linie ist das Fiktion, wir machen ja keine Dokumentation über das Bildungssystem in Deutschland. Wir wollen die Zuschauer unterhalten und dazu animieren, sich mit diesen Themen zu beschäftigen.

ZEIT: In den Neunzigern gab es im ZDF die Serie Unser Lehrer Doktor Specht, mit Robert Atzorn in der Hauptrolle. Die war etwas gediegener angelegt. Braucht man heute Problemschulen und Lehrer, die "Leck mich am Arsch" sagen, um zu unterhalten?

Duryn: Den Lehrer auf "Leck mich am Arsch" zu reduzieren ist hart. Wahr ist aber, dass eine schwierige Schule dramaturgisch interessanter ist als ein normales Gymnasium.

ZEIT: Jede Folge hat ein gutes Ende.

Duryn: Im Prinzip kann sich der Zuschauer darauf verlassen, dass es gut ausgeht. Vollmer ist lösungsorientiert. Er zeigt jungen Menschen einen Ausweg aus einer vertrackten Situation.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 5 vom 26.1.2017.

ZEIT: Sie selbst schreiben an den Drehbüchern mit. Ist das nicht ungewöhnlich für einen Hauptdarsteller, dass er sich in die Geschichten einmischt?

Duryn: Als ich die Rolle 2006 bekam, war ich vom Drehbuch für den Pilotfilm absolut überzeugt. Endlich mal kein Krimi, sondern unterhaltsames Bildungsfernsehen. Die Drehbücher für die zweite Staffel gefielen mir nicht mehr so gut. Da habe ich mich mit den Autoren zusammengesetzt. Der Sender und die Produktionsfirma haben das geduldet. Sie waren anfangs skeptisch, ob ich als Hauptdarsteller nicht einfach nur meine Rolle interessanter machen wollte. Dann haben sie aber gemerkt, dass ich Dialoge schreiben kann. Seit 2014 bekomme ich Geld dafür.

ZEIT: Wie entsteht eine Folge?

Duryn: Stellen Sie sich einen großen Tisch vor und eine weiße Wand. Der Producer, die Autoren, die Redakteurin und ich. Das Brainstorming beginnt. Am Ende ist die Wand voller Postings. "Homeschooling", "Underachiever", "Ritzen". Danach treffen wir uns mit Psychologen und fragen: Was kann der Grund dafür sein, dass Jugendliche sich ritzen? Wie geht man damit um? Beim Thema Homeschooling haben wir mit Anwälten gesprochen: Unter welchen Bedingungen dürfen Eltern ihre Kinder zu Hause unterrichten? Erst dann kreieren wir die eigentlichen Plots.