Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 6 vom 2.2.2017. Die aktuelle ZEIT können Sie am Kiosk oder hier erwerben.

Wer Cannabis-Räusche an sich selbst oder anderen erlebt hat, der weiß, dass dieser nicht gerade intellektuelle Glanzleistungen begünstigt. Der Kiffer redet viel, aber meist Unsinn. Wieder nüchtern, scheint er wieder der Alte zu sein – aber ist er das wirklich?

Eine gute Quelle, um die langfristigen Folgen des Drogenkonsums zu untersuchen, sind Langzeitstudien mit vielen Teilnehmern. Darin werden alle möglichen Gesundheitsparameter über lange Zeiträume hinweg verfolgt. Eine davon ist die Dunedin-Studie mit 1073 Neuseeländern, die im Lauf der Jahre unter anderem mehrmals nach ihrem Cannabis-Konsum gefragt wurden. Im Alter von 13 und 38 Jahren bat man sie zum Intelligenztest. Eine Studie darüber wurde 2012 in PNAS veröffentlicht.

Das beunruhigende Ergebnis: Der IQ der 41 Studienteilnehmer, die schon in der Jugend mit dem Kiffen angefangen hatten und auch im Erwachsenenalter Zeichen von Abhängigkeit zeigten, ging im Lauf der Jahre merklich zurück. Im Mittel sank er von 99 mit 13 Jahren auf 93 im Erwachsenenalter. Wer in seiner Jugend durchschnittlich intelligent war, gehörte später zum untersten Drittel. Diese nackten Zahlen wurden qualitativ in Interviews mit Freunden und Verwandten bestätigt. Diese bescheinigten den Langzeitkiffern erhöhte Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme.

Die Forscher schreiben pflichtgemäß, dass ihre Statistik keinen kausalen Zusammenhang zwischen dem Kiffen und dem Intelligenzverfall nachweise, obwohl sie alle möglichen alternativen Erklärungen ausschließen könnten. Aber auch als Korrelation: Bedenkenswert sind die Ergebnisse auf jeden Fall.

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