Dieser Artikel stammt aus dem Hamburg-Teil der ZEIT Nr. 6 vom 2.2.2017. Sie finden diese Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

Ein Ball ist ein Laufsteg, man bestaunt Kleider und Looks, Schmuck und Dessins. Die NDR-Moderatorin Julia-Niharika Sen erscheint mit Schriftzug auf dem Dekolleté. "No alternative facts" ist da auf nackter Haut zu lesen, ein Satz, der so vieles bedeuten kann. Es gibt keine Alternativen zur gepflegten Epidermis. Oder: Wenn Sie mich ansprechen, bleiben Sie bitte sachlich. Sehr wahrscheinlich ist die Weltlage gemeint. Trump, Brexit, Lügenpresse. "Wir müssen zusammenstehen", sagt Frau Sen, und das ist wahr: Im Schummerlicht des Ballsaals lässt sich die Mahnung nur aus der Nähe lesen.

Twittern mit dem Körper, warum nicht. Man kann der Gegenwart aber auch einfach mit einem exzellenten Text begegnen. Charlotte Parnack, Leiterin des Hamburg-Ressorts dieser Zeitung, erhielt für ihre Reportage Der Straßenkampf über den Umbau Deutschlands zur Fahrradnation (ZEIT Nr. 36/15) den Klabunde-Preis des Deutschen Journalistenverbands.

Zu den Männern des Abends: tja. Conférencier Yared Dibaba beginnt seine Einlassungen grundsätzlich mit "So!" Was soll das sein? Selbstbehauptung in postfaktischen Zeiten? H.P. Baxxter, zeitweise zum Co-Moderator bestellt, sagt notorisch "mega!".

Auch optisch: laisser-faire. Der Begleiter von Marie Amière trägt ein Samtsakko mit Blumendekor, als sei Oscar Wilde auferstanden, in der Scooter-Version. Knut Fleckenstein, Hamburger SPD-Abgeordneter im EU- Parlament: Fliege mit Paisley-Muster. Paisley!

Am Ende hält man sich ans Security-Personal von Olaf Scholz: zwei Männer in perfekt sitzenden nachtblauen Anzügen.

Wer da war: Sabia Boulahrouz, Katharina Fegebank, Ulrich Tukur, Dieter Wedel