Das Gebäude, in dem es um Hunderte von Millionen Euro geht, sieht aus wie ein Einwohnermeldeamt. Ein trister, grauer Klotz mit gläserner Eingangstür, auf der steht: hsh portfoliomanagement AöR (Anstalt öffentlichen Rechts). Es ist der offizielle Name der Bad Bank, die Hamburg und Schleswig-Holstein errichtet haben, um der kriselnden HSH Nordbank die schlechtesten Kredite abzukaufen. Aus ihnen noch das Beste zu machen, ist seit vergangenem Sommer Aufgabe der beiden Vorstände Ulrike Helfer und Karl-Hermann Witte.

DIE ZEIT: Herr Witte, Frau Helfer, Sie kümmern sich um Kredite für Schiffe, die als das "Schlechtestes vom Schlechten" gelten. Macht das Spaß, diesen Schrott zu verwalten?

Karl-Hermann Witte: Man muss klar sagen, die Bank hat die Kredite, die wir jetzt haben, so ausgewählt, dass es ihr den größtmöglichen Vorteil bringt. Da hatten wir nichts mitzureden. Ob es das Schlechteste vom Schlechten ist? Weiß ich nicht. Aber ohne Zweifel sehr schlecht.

Ulrike Helfer: Das wussten wir ja vorher. Insofern macht es Spaß, zu versuchen, Lösungen zu finden, wo viele sagen, es gibt keine mehr. Es gibt sie sehr wohl. Jedenfalls wenn der Markt irgendwann mal zumindest ein bisschen mitspielt. Aktuell macht es Spaß, mit Reedereien Strukturen zu finden, die die Schiffe über diese schwierige Phase hinwegbringen.

ZEIT: Im Sommer haben die Länder der HSH für 2,4 Milliarden Euro faule Schiffskredite abgekauft. Nach drei Monaten stellt sich nun heraus, dass diese Kredite 341 Millionen Euro weniger wert sind, das ist fast eine halbe Elbphilharmonie. Wer hat da geschlampt?

Dieser Artikel stammt aus dem Hamburg-Teil der ZEIT Nr. 6 vom 2.2.2017. Sie finden diese Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

Witte: Es ging von Anfang an darum, die Bank zu entlasten. Sie fragen, wie kann man in so kurzer Zeit einen solchen Wertverfall sehen? Das kommt von den Märkten: Im dritten Quartal, von dem wir hier sprechen, gab es einen enormen Verfall der Charterpreise – also der Preise, zu denen die Reeder ihre Schiffe vermieten, um mit den Einnahmen die Kredite zu bezahlen. Das Geld ist ja nicht weg. Aber wir folgen der Sicht eines vorsichtigen Kaufmanns, darum haben wir eine Risikovorsorge gebildet.

ZEIT: ... was bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit, dass das Geld weg ist, sehr hoch ist.

Witte: Das Geld ist gefährdet, ja.

ZEIT: Die EU hat erlaubt, höchstens 2,4 Milliarden für dieses Kreditpaket zu bezahlen. Genauso viel haben Sie dann auch ausgegeben. Ging es also darum, so viel wie nur möglich zu bezahlen, damit die Bank für den Verkauf besser dasteht?

Witte: Nein, es ging nicht darum, das Maximale zu bezahlen, es ging um den Wert! Den haben wir von Experten feststellen lassen. Und das waren zum Stichtag 2,4 Milliarden. Das war gerechtfertigt.

ZEIT: Kritiker sagen, bei den 341 Millionen Euro Verlust bleibt es nicht. Wo standen Sie Ende des Jahres?

Helfer: Im vierten Quartal haben sich die Märkte weiter auf niedrigem Niveau bewegt. Wir müssen davon ausgehen, den Wert der Kredite erneut nach unten zu korrigieren. In welchem Umfang wissen wir noch nicht. Aber 70 Prozent des Portfolios liegen im Containermarkt, und da sind die Prognosen nicht gut.

ZEIT: Hätte es nicht dem Prinzip des vorsichtigen Kaufmanns entsprochen, von Anfang an mit weniger Wert zu rechnen?

Helfer: Im Rückblick lässt sich das leicht sagen. Im Vergleich zu der Summe, die in den Büchern stand, lag der Abschlag ja schon bei mehr als 50 Prozent. Die Wirtschaftsprüfer haben bestätigt, dass der Preis angemessen war.

ZEIT: Manche Oppositionspolitiker erwarten allein für das erste halbe Jahr eine Milliarde Euro Verlust.

Helfer: Ich weiß nicht, wie die darauf kommen.

ZEIT: Mit wie viel rechnen Sie selbst denn?