Eine dunkelgrüne Duschwanne auf Tischbeinen in einer schalldichten Kabine, ein Mischpult, daneben Tütchen voller Zucker und Kartoffelmehl, Kürbisse, Stroh, Drähte, Styropor: Ernst Arendts selbst gebautes Tonstudio würde als Kulisse für einen Krimi mit psychotischem Serienkiller taugen. Wir sind in Weil am Rhein, im Keller des Tierfilmers.

DIE ZEIT: Hier haben Sie also Vogel-, Bison- und Biber-Aufnahmen nachvertont. Wozu braucht man da Zucker und Kartoffelmehl?

Ernst Arendt: Als Erstes zeige ich Ihnen mal meine alten Unterhosen.

Tonmann Arendt wedelt mit zwei Frottee-Hosen, original aus den Siebzigern, eine braun, eine dunkelblau. Kameramann Hans Schweiger kichert, er weiß, was jetzt kommt.

Arendt: Hören Sie das? Das ist das Flattern neugieriger Keas in Neuseeland! Die haben uns die Gummidichtungen vom Laster gefressen. Und das Geräusch hier, wenn Sie über den Wüstenkürbis kratzen: So hört es sich an, wenn der Mornellregenpfeifer in Lappland mit dem Schnabel seine Eier dreht. Und die Metalldose: So klingt es, wenn die Kakadus in Australien vom Blechdach runterrutschen – wie Skiläufer, aus Spaß, immer wieder. Je nachdem, in welchem Verhältnis man Zucker mit Kartoffelmehl mischt, macht man unterschiedliche Schneegeräusche. Ab minus fünf Grad quietscht er; ist er wärmer, knirscht er. Vögel im nassen oder Pfeifhasen im trockenen Gras lassen sich mit unterschiedlich feuchten Hobelspänen imitieren.

In der Stube des Holzhauses stapeln sich Naturbücher, in den Regalen Fotos von Bibern und Büffeln. Auf der rustikalen Holzterrasse überzieht Schnee das Vogelhäuschen. Der Blick geht übers Dreiländereck.

ZEIT: Warum haben Sie Ihre Filme so mühsam nachvertont? Die Zuschauer sehen Ernst Arendt im Fernsehen ja sehr oft mit einem Parabolspiegel, dem Richtmikrofon, rumlaufen ...

Hans Schweiger: Wenn Sie in der Wildnis eine Herde Büffel filmen, hört man auf dem Tonband nachher nur dumpfes Getrampel. In der Nahaufnahme von den Hufen muss man die einzelnen Schritte hören. Das haben wir mit Sand und Kies nachgeahmt. Oder wenn ein Vogel aus einer Schar auffliegt. Das hört man nicht auf Band. Dann kommen die Unterhosen zum Einsatz.

Wenn wieder mal ein Zöllner die ganzen Fächer und Kisten im Unimog beäugte, hat Ernst eine Dreiviertelstunde lang den Parabolreflektor unter der Dachluke erklärt.

ZEIT: Warum haben Sie es sich nicht leicht gemacht wie Ihre britischen Kollegen von der BBC? Die nehmen einfach dramatische Musik dazu.

Schweiger: Das hat uns nie gefallen. Wir wollten die Geräusche aus der Natur einfangen. Authentisch. Keiner hat das damals gemacht.

Arendt: Zu Anfang mussten wir uns grundlegend von unseren Seniorkollegen unterscheiden: Heinz Sielmann, Bernhard Grzimek, Horst Stern, Eugen Schuhmacher. Wir suchten uns eine Nische: nur Freilandaufnahmen, ohne Musik.

Schweiger: Anders als sie hatten wir auch immer Stroh-Rum dabei. 80 Prozent Alkohol. Der öffnet Türen. In Finnland ist der verboten, hat uns aber nicht gestört. Der hilft auch gegen Fußpilz. Oder bei aufkommender Erkältung.

Am nächsten Morgen fahren wir in Arendts bulligem Sportwagen in Ginstergelb, seiner Lieblingsfarbe, nach Efringen-Kirchen. Dort, nur ein paar Minuten entfernt, wohnt Hans Schweiger. Und dort steht auch der Unimog, in dem die Tierfilmer gefühlt ihr halbes Leben verbracht haben.

Schweiger: Wenn wieder mal ein Zöllner die ganzen Fächer und Kisten im Unimog beäugte, hat Ernst eine Dreiviertelstunde lang den Parabolreflektor unter der Dachluke erklärt. Das schafft den härtesten Zollbeamten. Hier, auf diesen Schienen, Spezialanfertigungen, konnten wir unsere Metallkisten unters Bett schieben. Zwei Kühlschränke gibt es, einen fürs Essen und die Bierdosen und einen für die analogen Filmrollen.

Tierfilm - Das Ende einer Ära Seit 1974 produzieren die Filmemacher Hans Schweiger und Ernst Arendt die Fernsehsendung "Tiere vor der Kamera". Der Bayerische Rundfunk hat die Sendung nun eingestellt, trotz Zuschauerprotesten. © Foto: Arendt/Schweiger, ERA-FILM