General Electric, Google, Facebook, Uber – Donald Trump hat auf einmal mächtige Gegner. Nach und nach haben sich die Chefs der wichtigsten amerikanischen Konzerne zu Wort gemeldet und das Einreiseverbot des amerikanischen Präsidenten kritisiert. Apple-Chef Tim Cook schrieb in einem Brief an seine Mitarbeiter, das Dekret entspreche nicht einer "Politik, die wir unterstützen". Die Kaffeehauskette Starbucks will aus Protest 10.000 Stellen für Flüchtlinge schaffen. Und Amazon und Microsoft haben beschlossen, eine Klage gegen den Erlass des Präsidenten zu unterstützen.

Es sieht ganz so aus, als sei das Techtelmechtel der amerikanischen Wirtschaft mit dem neuen Machthaber in Washington schon nach wenigen Wochen vorbei. Als Donald Trump frisch gewählt war, suchten Konzernlenker erst einmal die Nähe des neuen Amtsinhabers. Man wollte nicht zum Ziel einer seiner gefürchteten Twitter-Attacken werden – und hoffte auf Profit. Schließlich hat Trump Deregulierung, Steuersenkungen und ein Modernisierungsprogramm für die Infrastruktur versprochen. Das bedeutet: gute Geschäfte. Trumps unkonventioneller Wahlkampf, sein Flirt mit hohen Einfuhrzöllen, all das besorgte die Wirtschaftslenker zwar, sorgte aber noch nicht für lautstarken Protest.

Nun wenden sich Manager und Unternehmer ab. "Vor zehn Tagen wollte keiner der Unternehmensführer, die ich kenne, sich öffentlich gegen Trump stellen. Heute ist es ungefähr die Hälfte", sagt Ian Bremmer, Präsident der Unternehmensberatung Eurasia Group, eines amerikanischen Beratungsunternehmens, das viele Konzerne zu seinen Kunden zählt.

Plötzlich ist nicht mehr ausgeschlossen, was unvorstellbar schien: Dass Trump scheitert

Die Trump-Euphorie schwindet auch an den Börsen. Der Dow Jones hatte noch vergangene Woche im Trump-Taumel erstmals die Schwelle von 20.000 Punkten überwunden. Nun drifteten die Kurse zu Wochenbeginn nach unten. "Angesichts der erratischen Aktionen, die wir gesehen haben, bin ich mir nicht sicher, wie lange die Zuversicht an den Finanzmärkten noch anhalten wird", warnt der amerikanische Ökonom und frühere Finanzminister Larry Summers.

Und mit einem Mal ist nicht mehr ausgeschlossen, was noch vor ein paar Tagen unvorstellbar erschien: dass Trump scheitert.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 6 vom 2.2.2017.

Kann die Wirtschaft ihn stoppen? Oder ihn zumindest mäßigen? Die Klagen der Tech-Konzerne könnte Trump ja noch verschmerzen. Für seine Anhänger ist das Silicon Valley schließlich Teil des Problems. Sein Erfolg gründet nicht zuletzt auf dem Hass vieler Amerikaner auf Wall Street und Silicon Valley. Was Trump eher beeindrucken kann, ist, wenn ideologisch näherstehende Konzernlenker sich abwenden – wie etwa der Chef von General Electric, Jeffrey Immelt. Der ist Republikaner, hat sich aber gegen Trumps Erlass ausgesprochen. Was Trump noch mehr beeindrucken kann, ist, wenn die Börse plötzlich nicht mehr an ihn glaubt.

Der Aufstand der Unternehmer und die Sorgen der Börsen werfen ein Licht auf die Schwächen des Systems Trump. Der hat seinen Wählern mehr Jobs und ein besseres Leben versprochen. Wenn die Wirtschaft aber ihre Zuversicht verliert, dann schafft sie keine neuen Stellen – und dann hat Trump ein Problem.