Die Sterne waren schon immer da. Es gibt sie länger als den König der Löwen und länger als Lotto King Karl. Als die Band ihre erste Platte veröffentlichte, war die HafenCity noch eine Brache, Olaf Scholz ein unbekannter Bezirkspolitiker, und der HSV mischte im oberen Tabellendrittel mit. Also, es ist lange her. 25 Jahre, um genau zu sein. 

Damals, Anfang der Neunziger, klangen Hamburger Bands spröde, verstimmt, und sangen umständliche Texte. Von einer "Ästhetik der Verkrampfung" schrieb der Kritiker Frank Apunkt Schneider später und meinte das durchaus anerkennend. Wollte man sich locker machen im wiedervereinigten Deutschland, in dem Nationalflaggen geschwenkt und Ausländer durch die Straßen gejagt wurden? Wollte man natürlich nicht. Als Schlagwort für den neuen Sound kursierte der Begriff "Hamburger Schule", was nicht zufällig an die pessimistische Philosophie von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno erinnert.

Die Sterne gehörten dazu und waren doch anders. Auch sie texteten gelegentlich prosaisch und schroff (Wer hat je zuvor das Wort "Baustoffhandel" gesungen?) und schrieben Songs gegen das neue Wir-Gefühl (Ich scheiß auf deutsche Texte). Doch früher als andere Bands verstanden sie, dass Musik nicht nur undeutsch ist, wenn sie verkopft und möglichst wenig schlagerhaft klingt. Undeutsch ist auch der Groove. Zu den Songs der Sterne konnte man tanzen.

Dieser Artikel stammt aus dem Hamburg-Teil der ZEIT Nr. 7 vom 9.2.2017. Sie finden diese Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

Viele Gruppen dieser Zeit haben sich aufgelöst, sind nach Berlin gezogen oder machten statt strapaziöser Tourneen erst mal Theatermusik. Von den Sternen hingegen gibt es alle zwei Jahre neue Platten und Konzerte. Die Band ist in Hamburg nicht nur präsent, sie war nie zu übersehen. So wie der Sänger Frank Spilker, den man als heute 50-Jährigen noch oft im Golem oder im Uebel & Gefährlich erblickt, wo er die anderen Gäste um eine Kopflänge überragt.

Jetzt feiern Die Sterne ihr Jubiläum mit einer Tour und einem Tribute-Album, für das befreundete Bands Sterne-Songs gecovert haben. Mach’s Besser heißt die Platte, und die Liste der Gratulanten ist lang. 24 Stücke gibt es, von jungen Bands (etwa Bürgermeister der Nacht, Isolation Berlin, Lafote), dem Mittelbau des Indie-Rock (Kreisky, Locas in Love, Peter Licht) und legendären Recken (Aeronauten, Fehlfarben, Zimmermänner).

Vielleicht hat es mit dem Respekt vor den Sternen zu tun, dass die meisten Coverversionen auf Mach’s Besser künstlerisch unambitioniert sind. Wie neu die altbekannten Songs auf einem Tribute-Album klingen können, war vor einigen Jahren auf Hands on Scooter zu hören. Dort wurde der Techno von Scooter neu erfunden als Rock und als Volksmusik. Sido und K.I.Z. rappten eigene Strophen, und Schorsch Kamerun übersetzte Scooter-Slogans wörtlich ins Deutsche ("Hyper, Hyper, drüber, drüber, es ist so schön, eure Hände in der Luft zu sehen!").