Erst hat man sie nicht gesehen, die Stars des Abends. Aber dann stellt man sich zu ihnen und staunt. Dieser Look, diese Eleganz. Irgendwann hält man es nicht mehr aus und greift zu. Historische Kostüme von Chanel, nach Farben aufgereiht an mobilen Kleiderständern. Man streift über schwarzgrauen Tweed, die Empfindung ist herrlich ambivalent: grob und samtig, robust und anschmiegsam. Das also hat Kennedy gefühlt, wenn er Jackie zur Gangway führte.

Dieser Artikel stammt aus dem Hamburg-Teil der ZEIT Nr. 7 vom 9.2.2017. Sie finden diese Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

Der Online-Store Rebelle, spezialisiert auf Vintage-Luxusmode, übersetzt sich für ein paar Wochen in die analoge Welt. Bei der Ladeneröffnung am Neuen Wall posiert die Klientel vor angestrengt abstrakter Kunst. Braucht man einen Aufguss der Op-Art aus den Sechzigern als Kulisse, wenn die Requisiten von Chanel stammen? So ein genopptes Täschchen, umgarnt von seinem eigenen Trageriemen aus Leder und Metall, ist doch die beste Deko. Es gibt sie an diesem Abend leider nicht als gift bag. Eine Shop-Premiere ist keine Oligarchenparty.

Zwei Begriffe lernt man: Kleiderschrank-Detox. Produktessayist. Dass die Garderobe entschlackt werden muss wie ein müder Körper, ist nachvollziehbar. Aber wie genau schreibt man Konsumtraktate? Sue Giers, Inhaberin der Linette-Boutique, macht es live vor. Sie erklärt ihr selbst entworfenes Sweatshirt nach allen Regeln der semiotischen Kunst. Der Sweater, sagt sie, sei eine gegenkapitalistische Geste, "ein Ausdruck der Demokratie".

"Aha", entgegnet man beeindruckt und schielt zu den Hermès-Taschen. Auf ein neues Birkin-Modell muss man rund vier Jahre warten. So lang wie eine Legislaturperiode.

Wer da war: Jo Groebel, Ulrike Krages, Jörg Oppermann, Michael Simon, Natalie Strauß

Oh! Perfekte Gästemischung aus Mode-Bloggern, Shoppern und Prominenten

No! Luxusgin mit schlaffem Tonic Water in campingplatzhaften Plastikbechern