Und plötzlich geht es um die großen Ängste, Zweifel in letzter Sekunde, Tod und Unvernunft. Ein Journalist über eine Begegnung, die sich anfühlt wie ein Drogentrip

Ich sitze in einem kleinen, irgendwie coolen, irgendwie nichtssagenden Café neben einem wahnsinnig aufgebrezelten Modeblogger, den ich für ein Magazin porträtieren soll. Erfolgreicher Typ, viel Tamtam, lustige Visage. Investigativer Journalismus ist das nicht. Nichts, wofür ich brenne, aber gut bezahlt. Einer dieser Aufträge, die man besser nicht absagt. Die Miete, die Versicherungen, die ganze private Tragödie, das begleicht man nicht allein mit der Kür.

Es gilt ja eher als uncool, wenn man einfach arbeiten geht, statt seiner Berufung zu folgen, aber ich mag das. Das Handwerk. Die Professionalität. Die Gewissheit: Das geht auch ohne Kunst und Kreativität. Und ohne Burn-out.

Es geht los. Bisschen Palaver, so weit ganz nett, gar nicht so dumm. Einmal durch die W-Fragen des Journalismus: Wer bist du eigentlich und warum? Was macht ihr da? Wie geht das, was hast du dabei gelernt? Und dann, dann schaltet das Gespräch den Turbo ein.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 8 vom 16.2.2017.

Plötzlich geht es um die großen Ängste, um Zweifel in letzter Sekunde, um den Tod und die Unvernunft. Wir rätseln, warum wenig im Leben so viel Spaß macht, wie Menschen richtig hart vor den Kopf zu stoßen. Wir einigen uns, dass man alles durchstehen kann, wenn man in der Mittelstufe unbeliebt war. Es ist wie in den Momenten im Film, wenn die Drogen kicken: überall diese Wärme, diese Farben, diese unfassbare Leichtigkeit! Und diese Stimme, die sagt: Mesdames et Messieurs, bienvenue à bord de notre vol à destination ... Dazu sphärische Klänge.

Ich hatte immer ein bisschen zu viel Angst vor Drogen, um wirklich cool zu sein, aber Begegnungen wie diese sind meine kleinen Trainspotting-Momente. Das ist das verdammte Zeug, warum ich mit dem Journalismus überhaupt angefangen habe.