Dieser Artikel stammt aus dem Hamburg-Teil der ZEIT Nr. 8 vom 16.2.2017. Sie finden diese Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

Kinder kosten. Sind aber auch die Zukunft. Deshalb wimmelt es allenthalben von Rabatten für Familien. Im Hotel. Im Schwimmbad. Vor allem die Preise der Bahn animieren förmlich dazu, möglichst schnell möglichst viele Kinder zu kriegen. Auch im HVV fahren alle bis sechs Jahre umsonst, bis 14 dann zum reduzierten Tarif. Danach aber wird bei den Vergünstigungen die Luft dünn.

Eltern mit Kindern über 15 Jahren, die keine Schülermonatskarte haben, bleibt für einen netten Familienausflug in die Stadt zum Shoppen und ins Burgerrestaurant (auch da kein Rabatt!) beim HVV dann nur eins: die 9-Uhr-Gruppenkarte. Und wird es da nicht ungerecht? Denn dann berappt eine fünfköpfige Familie mit drei Jugendlichen 26,50 Euro – die gleiche Summe wie fünf erwachsene, Golf spielende Gutverdiener, die, um ihre teuren Karossen zu schonen, ebenfalls per Gruppenticket reisen. Aber jeder von ihnen zahlt für den Transport nur 5,30 Euro, während, zurück zur Familie, die alleinverdienende Mutter die gesamte Summe schultert. Ist das familienfreundlich?

Und ist es gerecht, dass fünf Jugendliche, ohne Schülerkarte, aber längst keine Gutverdiener, für die HVV-Gruppenkarte ebenfalls 26,50 Euro zahlen? Das alles, nachdem man sie 15 Jahre mit Freifahrten oder Vergünstigungen angefüttert hat? Ist das der Grund, dass so viele von ihnen bis zum Führerscheinalter auf YouTube unterwegs sind und dann zu fünft im Carsharing-Auto durch die Gegend heizen?

Frage also an HVV-Sprecher Rainer Vohl: Wieso gibt es keine Familienkarte für Familien mit Kindern über 15 Jahren ohne Schülermonatsticket? Weil, seufzt Vohl, "unsere Fahrgäste sehr unterschiedliche Bedürfnisse haben". Ginge es danach, müsste der HVV jedem Bedürfnis mit einer möglichst maßgeschneiderten Fahrkarte nachkommen. Eine Familienkarte für Ü-15-Jährige könne man "gleich noch in 'Familienkarte für Alleinverdiener' und 'Familienkarte für Doppelverdiener-Haushalte' splitten". Das Nächste sei eine Wochenend- oder Fahrrad-Monatskarte. Irgendwann, das ist klar, wollen dann auch Hunde- und Katzenbesitzer mit und ohne Allergie zu ihrem Recht kommen, und am Ende stünde das personalisiert-rabattierte Ticket für jeden – und Verwirrung bei allen anderen ob dieser Tarifgestaltung. "Wir haben es mit einer Abwägung zu tun", sagt Rainer Vohl. "Tarif möglichst einfach versus Tarif möglichst gerecht." So bleibt es eher bei ungerecht. Zumindest in den Fällen, in denen auch Jugendliche von über 15 Jahren noch mit den Eltern zum Shoppen in die Stadt fahren.