"Kurswechsel bitte!": Unter diesem Titel warf unser Autor Maximilian Probst der Stadt vor, Millionen Euro für ein neues Hafenmuseum zu verplempern. Auf den Artikel antwortet hier der SPD-Politiker Johannes Kahrs.

Ein "drastischer Fehler" sei das geplante Deutsche Hafenmuseum, schrieb Maximilian Probst. Hamburg habe schon genug maritime Ausstellungsorte. Man solle doch lieber die Bestände ordnen, das Internationale Maritime Museum entrümpeln und in dessen Speicher die große Geschichte der Globalisierung am Beispiel Hamburgs erzählen. Das sei mit wenig Geld zu machen und würde den neuen Kultursenator von der Mühsal entbinden, einen Ort für das Deutsche Hafenmuseum zu suchen.

Es ist schön, dass in der Stadtgesellschaft diskutiert wird, was Hamburg mit seinem maritimen Erbe anfangen soll. Da sieht man gern darüber hinweg, dass ein wichtiger Aspekt wenig beachtet wurde. Denn anders als in den meisten Fällen von Bundesfinanzierungen muss sich Hamburg an den 120 Millionen Euro, die der Bund für das neue Museum gibt, nicht mit einer Co-Finanzierung beteiligen. Dafür werden die Betriebs- und Personalausgaben von der Stadt getragen. Darum habe ich in einer Zeit, in der Hamburg schon die Elbphilharmonie stemmen musste, als haushaltspolitischer Sprecher im Bund für das Museum gekämpft.

Auch ein Ort muss nicht gesucht werden. Es gibt ihn nämlich schon. Man muss ihn nur entwickeln. Es ist der 50er Schuppen auf der anderen Elbseite, laut Maximilian Probst wirklich stimmungsvoll, nur leider "im Winter geschlossen". Tatsächlich ist das Gelände geradezu ein Geschenk für Hamburg, weil dort noch viele Teile des alten Industriehafens überlebt haben. Die historischen Schuppen, Gleisanlagen, Kräne, dazu der Stückgutfrachter MS Bleichen: Ein solches Ensemble gibt es in ganz Europa nicht noch einmal.

Maximilian Probst beklagt zu Recht, dass die Hamburger Museen die Globalisierung und ihre Waren- und Migrationsströme bislang zu fragmentarisch abbilden. Das lässt sich aber nirgends besser beheben als auf dem Gelände des 50er Schuppens. Ein anderer Ort ist für das Deutsche Hafenmuseum auch gar nicht vorstellbar. Der Hamburger Hafen war der erste Industriehafen weltweit. An ihm haben sich alle orientiert. In den Überresten dieses Industriehafens kann nun ein Museum entstehen, das wieder weltweit Maßstäbe setzen sollte, ein Museum, das seinen Gegenstand, den Hafen, nicht nur erklärt, sondern erfahrbar macht.

Familien könnten dort halbe Tage verbringen: Während die Kinder einen Kranführerschein machen oder Kaffee rösten, würden sich die Erwachsenen über den Kolonialismus informieren und verstehen, wie der Kaffeehandel nicht nur Hamburg verändert hat, sondern ebenso die Länder, aus denen der Kaffee kommt. Das Deutsche Hafenmuseum sollte beides zugleich sein: Erlebnispark und musealer Wissensbetrieb.

Dazu muss man nicht die maritimen Schätze des Museums für Hamburgische Geschichte oder des Altonaer Museums plündern. Es gibt noch riesige Depotbestände, die das Deutsche Hafenmuseum übernehmen kann. Und als Teil der Stiftung Historische Museen Hamburgs würde die Zusammenarbeit mit diesen Museen noch besser verzahnt. Neben dem Präsenzbestand wird das Deutsche Hafenmuseum in Kooperation mit den anderen Hamburger Häusern spektakuläre Sonderausstellungen zeigen können. Das Gelände soll nicht nur Touristen anlocken, sondern auch Hamburgern einen Grund geben, mehr als einmal zu kommen.

Ein Hafen- und Globalisierungsmuseum mitten im Hafen: Das ist auch darum so wichtig für Hamburg, weil, anders als früher, längst nicht mehr jede Familie irgendeinen Angehörigen hat, der im Hafen arbeitet. Es stellt die Frage nach hanseatischer Identität, während andere traditionsreiche Orte wie die Mönckebergstraße durch Pimkie, Zara, H&M und Co. immer austauschbarer werden – durchaus eine Folge der Globalisierung.

Dieser Artikel stammt aus dem Hamburg-Teil der ZEIT Nr. 8 vom 16.2.2017. Sie finden diese Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

Bislang befriedigt der Hamburger diese Sehnsucht nach Identität, indem er mit stolzgeschwellter Brust die U3 zwischen Landungsbrücken und Baumwall entlangfährt. Von dort blickt er auf ein Schiff, das auf einer Bremer Werft für einen Bremer Kaufmann gebaut wurde und grün-weiß angemalt ist: die Rickmer Rickmers. Kann man natürlich machen (sage ich mal als gebürtiger Bremer). Trotzdem scheint mir Hamburg mit dem Viermaster Peking besser zu fahren, der mit Teilen der Bundesmittel für das Deutsche Hafenmuseum gekauft wurde. Das Schiff gehörte zur Flotte der Hamburger Reederei F. Laeisz und stammt von der Werft Blohm + Voss. Gebaut in der Zeit um 1900, wird es sich perfekt in die Szenerie des alten Industriehafens auf dem Kleinen Grasbrook einpassen und als Publikumsmagnet wirken.