Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 8 vom 16.2.2017.

Wenn Kinder in Deutschland eine Schule betreten, begeben sie sich auf eine Zeitreise in eine analoge Ära, positiv ausgedrückt sind Klassenräume für die Jüngeren noch immer weitgehend digitale Schutzzonen. Computer kommen in der Schule nur sporadisch zum Einsatz, obwohl sie für 6- bis 13-Jährige heute fester Bestandteil ihres Alltags sind. Zwei Drittel aller Kinder in Deutschland nutzen regelmäßig einen Rechner, in der Schule aber haben nur zwei von fünf Kindern überhaupt schon mal am Computer gearbeitet. Das geht aus der neuen KIM-Studie ("Kindheit, Internet, Medien") des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest hervor . Die Ergebnisse zum Thema "Computer und Schule" liegen der ZEIT exklusiv vor und belegen, wie lebens- und alltagsfern Schule als Lernort für Digitales noch immer ist.

Wer in der Schule am Computer arbeitet, nutzt ihn vor allem als "Schreibmaschine": Neun von zehn Kindern tippen zumindest einmal in der Woche Wörter. Immerhin drei Viertel nutzen auch das Internet, um etwas nachzulesen oder Infos zu suchen.

Nicht überraschend ist, dass Computer an weiterführenden Schulen stärker verbreitet sind als an Grundschulen. Aber auch hier zeigt sich eine Kluft zwischen kindlichem Alltag und Schule: Schon knapp 60 Prozent der Grundschüler zählen sich grundsätzlich zu den Computernutzern – nur eben nicht in der Schule.

Sitzen die Kinder zu Hause vorm Rechner, ist das Gerät nämlich weit mehr als nur ein "Spielzeug". Beim Lernen für den Unterricht spielen Computer und Internet eine wichtige Rolle. Drei von vier Kindern recherchieren mindestens einmal pro Woche etwas für die Schule im Netz. In ihrer Quellenauswahl sind Kinder dabei durchaus kreativ: Nachrichtentexte nutzen sie ebenso als Informationsgrundlage wie YouTube-Videos. Jedes viertes Kind gibt zumindest an, dass es auf der Plattform wöchentlich Videos zu Schulthemen anschaut.

YouTube nicht als digitalen Sumpf für Beauty-Tipps und Comedy zu verstehen, sondern als Pool für Bildungsinhalte, wäre ein innovatives Unterrichtskonzept. Manche Videos können einiges vermitteln, andere werden als Quellen kaum überzeugen. Dies unterscheiden zu können wäre für die Kinder in Zeiten von Fake-News und "alternativen Fakten" keine unwichtige Fertigkeit.