Der Mann, der als Lackierer am Fließband begann, hat alles erlebt bei Opel. Bald 40 Jahre arbeitete Klaus Franz beim Autobauer in Rüsselsheim, er erlebte, wie der Opel Kadett dem VW Käfer die Schau stahl, wie Opel nach der Wende ein Werk in Eisenach aufbaute, und er feierte 1999 mit seinen Kollegen den 100. Geburtstag der Automobilproduktion der Marke mit dem Blitz. Er erlebte viele neue Chefs und ebenso viele Strategiewechsel. Dann kamen die Krisen. Eine nach der anderen. Zuletzt half Franz 2009 als Betriebsratschef in letzter Minute zu verhindern, dass Opel im Sog der Insolvenz der Mutter General Motors (GM) pleiteging. Ein Triumph.

Doch nun, am Dienstag dieser Woche, sagt der Rentner Klaus Franz: "Mir blutet das Herz." Er kennt die Gefühle der Opelaner. Denn nun will die Mutter GM, die das deutsche Traditionsunternehmen 1929 übernahm, ihre ungeliebte Tochter verstoßen.

Am Dienstag bestätigte die französische PSA-Gruppe (Peugeot, Citroën, DS), mit General Motors über Möglichkeiten der Kooperation zu verhandeln. Darin eingeschlossen sei "ein potenzieller Kauf von Opel" durch den französischen Autobauer. GM in Detroit bestätigte dies. Wenn es tatsächlich zum Kauf kommt, dann würde sich Opel nach 87 Jahren unter amerikanischer Regie in den französischen Konzern einfügen müssen. Kurz vor Redaktionsschluss der ZEIT hielten Fachleute das für wahrscheinlich.

Franz erwartet, dass nun vor allem Arbeitsplätze in Deutschland bedroht sein könnten. "Wenn die PSA-Gruppe Opel tatsächlich übernimmt, dann sind das Montagewerk in Eisenach und das Motorenwerk in Kaiserslautern extrem gefährdet." Fast 4.000 Arbeitsplätze stünden allein dort auf dem Spiel. Insgesamt beschäftigt Opel samt der britischen Schwestermarke Vauxhall in Europa 35.600 Mitarbeiter.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 8 vom 16.2.2017.

Franz hat gerade ein Buch geschrieben: Die Rettung von Opel vor der Insolvenz – Das Beispiel gelebter Mitbestimmung. Darin geht es um die Rettung von Opel im Jahr 2009. Doch am Dienstagabend forderte Franz eine klare, öffentliche Positionierung der IG Metall und des Gesamtbetriebsrats für den Erhalt der Werke und der Arbeitsplätze.

Die IG Metall, sagt ein Sprecher auf Nachfrage, werde selbstverständlich für den Erhalt aller Standorte kämpfen. Den Verkauf verhindern aber kann die Gewerkschaft nicht. "Wenn General Motors beschließt zu verkaufen, dann verkaufen sie", sagte der Sprecher. Und fügt hinzu: "Das kann auch eine Chance sein, das Leben mit General Motors war nicht nur schön."