Neben Waschmitteltube und Desinfektionstüchern, ganz unten im Regal mit Kosmetika und Hygieneartikeln, steht es: Pfeffer-KO Fog, ein Tierabwehrspray mit einer Reichweite von bis zu vier Metern und vier Sekunden Sprühdauer. Eine kleine schwarze Dose mit gelber Schrift, ohne Einschränkung frei verkäuflich, wie es auf der Verpackung heißt. Einzelpreis: 5,95 Euro.

Seit vergangenem Sommer bietet die Drogeriemarkt-Kette dm das Tierabwehrspray – oder Pfefferspray – online und in ihren Filialen an, wegen vermehrter Anfragen, wie es heißt. "Damit geben wir unseren Kunden die Möglichkeit, das Spray schnell und einfach in einer gewohnten Einkaufsumgebung zu erwerben", schreibt das Unternehmen bei Facebook. "Wir wollen den Menschen, die sich vor Tierangriffen ängstigen, entgegenkommen."

Dass das Spray tatsächlich nur zum Schutz gegen aggressive Tiere eingesetzt wird, darf zumindest bezweifelt werden.

Denn seit Monaten häufen sich die Vorfälle in Hamburg, in denen Pfefferspray eingesetzt wird, uns zwar nicht gegen Tiere. Allein seit Dezember rückte die Feuerwehr mindestens sechsmal aus, um Personen nach vermuteten Reizgasangriffen zu behandeln.

15. Dezember 2016, 11.43 Uhr: Schüler der Staatlichen Handelsschule in Eppendorf alarmieren die Feuerwehr, weil sie über Atemwegsreizungen und Übelkeit klagen. Die Einsatzkräfte räumen das Gebäude, 17 Personen werden verletzt, acht von ihnen in Krankenhäuser gebracht. Die Analyse ergibt: Auf drei Etagen war Reizgas versprüht worden.

Dieser Artikel stammt aus dem Hamburg-Teil der ZEIT Nr. 8 vom 16.2.2017. Sie finden diese Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

20. Dezember 2016, 12.24 Uhr: In einer Stadtteilschule in Langenhorn erleiden zehn Schüler Reizungen der Atemwege durch Pfefferspray.

11. Januar 2017, 13.58 Uhr: In einem Gymnasium in Bergedorf werden zehn Personen durch Reizgas verletzt. Acht Jugendliche und ein Erwachsener kommen mit Atemwegsbeschwerden ins Krankenhaus. Die Feuerwehr war mit 36 Einsatzkräften angerückt.

13. Januar 2017, 10 Uhr: Die Feuerwehr löst den Alarm "Massenfall von Verletzten" aus. Schüler eines Rahlstedter Gymnasiums hatten einen ätzenden Geruch aus den Toiletten gemeldet. Offenbar war Reizgas versprüht worden.

17. Januar 2017, 12.38 Uhr: In einer Schule in Henstedt-Ulzburg breitet sich im Unterrichtsraum einer zehnten Klasse ein beißender Geruch aus. Der Schulleiter alarmiert die Feuerwehr in Norderstedt, die bittet um Verstärkung aus Hamburg. 15 Rettungsfahrzeuge sind im Einsatz, 34 Schüler werden in Krankenhäuser gebracht. Ein Schüler hatte wohl Pfefferspray versprüht.

12. Februar 2017, 11.50 Uhr: Am vergangenen Sonntag werden am Hamburger Flughafen 68 Personen verletzt, als Reizgas freigesetzt wird. Später finden Beamte im Mülleimer vor der Sicherheitsschleuse eine leere Pfefferspray-Flasche. Der Flugbetrieb wird für mehr als eine Stunde unterbrochen, auch S-Bahnen fahren zeitweise nicht bis zum Flughafen.