Es waren nur fünf Worte. Doch sie machten Manuel Gagneux schlagartig bekannt. "Ernsthaft, hört euch das an!", twitterte die amerikanische Metal-Journalistin Kim Kelly am 3. Juni 2016 – und kurz darauf explodierten die Zugriffszahlen auf dem Bandcamp-Profil des Basler Musikers. Plötzlich wollten Abertausende hören, was vorher nur ein paar Freaks anlockte: Zeal & Ardor. Eine Mischung aus Gospel und Black Metal.

"Das war der Moment, in dem ich wusste: Da passiert etwas Außergewöhnliches mit mir." Manuel Gagneux, 28 Jahre alt, sitzt auf dem Fensterbrett eines Kleinbasler Lokals. In der linken Hand hält er seine Zigarette, die rechte steckt in der Manteltasche.

Zeal & Ardor, zu Deutsch: "Eifer und Hitze", ist nicht sein erstes Musikprojekt. Seit Jahren schon spielt er Konzerte, tingelt durch die Lokale für eine Kollekte und Freibier an der Bar. Meist ist er allein unterwegs, mit Gitarre, Laptop und seiner Stimme, zuletzt unter dem Namen Birdmask. "Da drüben bin ich auch schon aufgetreten", sagt Gagneux und zeigt auf die andere Straßenseite: das Terrorsamba, ein Szene-Schuppen wie viele in der Gegend.

Aber seit diesem Tweet, und seit das amerikanische Musikmagazin Rolling Stone sein Debütalbum kurz darauf zu einer der besten Metal-Platten des Jahres kürte, seither ist aus dem erfolglosen Wandermusiker Gagneux ein Star geworden.

Ein Star, für den sein Management zurzeit eine Europatournee plant: Es geht nach Berlin, London, Paris, Warschau und Prag. Vor allem aber nach Tilburg, ans Roadburn Festival, wo sich die europäische Black-Metal-Szene trifft.

Dieser Artikel stammt aus der Schweiz-Ausgabe der ZEIT Nr. 8 vom 16.2.2017. Sie finden diese Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

Ein Star, der noch nicht ganz versteht, was da mit ihm passiert: "Am Roadburn spielen alle meine Idole – und jetzt ich. Das ist alles dermaßen surreal, ich habe das niemals kommen sehen."

Ein Star, der sich in diesen Tagen mit einem Problem rumschlagen muss, das in seiner Szene nur wenige haben: Er ist noch nie mit seiner Band auf der Bühne gestanden.

Die Geschichte dieses Metal-Hypes beginnt mit einem Zufall – und mit einem Gefühl der Enge, das Gagneux im Dezember 2015 weg von Basel treibt, nach New York. Dort wohnt er bei einem Bluesmusiker, einem Bekannten seiner Mutter. Die Untermiete verdient er sich als Tontechniker im Studio des Gastgebers. Daneben tut er, was er immer tut: auftreten. Doch die paar Konzerte in den Kneipen von Harlem sind schlecht besucht. Auf ihn, den Schweizer, hat hier niemand gewartet. Also vertreibt Gagneux sich die Langeweile im Internet. Zum Beispiel auf 4Chan. Das Onlineforum ist bekannt für den ruppigen Tonfall unter den anonymen Usern, aber auch als Ort, wo immer wieder neue Web-Phänomene entstehen. "Die Seite übernimmt keine Haftung für allfällige psychische Schäden", warnt ein Pop-up-Fenster beim Einloggen.

Gagneux mag das gnadenlose Urteil auf 4Chan. In seinem Zimmer in Harlem tippt er in einen der Kanäle: "Gebt mir zwei Musikrichtungen, ich mache in einer halben Stunde ein Stück draus." Die Antwort kommt prompt und im üblichen Tonfall: "nigger music" und Black-Metal. "Zuerst war ich pikiert und dachte: Fuck, nein, das mach ich nicht!", sagt Gagneux: "Dann aber habe ich es doch gemacht – und es gefiel mir."