Wer ein Donald-Trump-Zitat beim Wort nimmt, für den kann das Leben verdammt hart werden. Ich wollte Trump Lügen strafen. Der US-Präsident hat in der Bild-Zeitung gejammert, wie egoistisch die Deutschen werden, wenn es ums Auto geht. In New York stünden überall Mercedes herum, sagte Trump. Aber es kommt noch viel schlimmer: "Wie viele Chevrolet sehen Sie in Deutschland? Nicht allzu viele, vielleicht gar keine, man sieht dort drüben gar nichts, es ist eine Einbahnstraße."

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nie in einem Chevrolet gesessen. Mercedes, Audi, Porsche, Volkswagen, BMW, aber auch Renault, DS, Toyota und Mini war ich schon gefahren (meist nur die Mietvariante). Trump hat insofern meinen Horizont erweitert, als er mich dazu brachte, einmal einen Chevrolet fahren zu wollen.

Ich hätte jedoch seine Aussage mit der Einbahnstraße ernst nehmen sollen. Finden Sie hierzulande mal einen Chevrolet! Mittlerweile glaube ich, ein aus Lateinamerika importiertes Kilo reines Kokain ist in einer deutschen Reihenhaussiedlung leichter aufzutreiben als ein Chevrolet.

Das Kraftfahrt-Bundesamt zählte vergangenes Jahr einen Bestand von weniger als 200.000 Chevrolet auf deutschen Straßen – das sind 0,3 Prozent der angemeldeten Autos. Ein Grund dafür: Chevrolet gehört ebenso wie Opel (noch) zu General Motors, und GM hat Ende 2013 beschlossen, den Vertrieb der Marke Chevrolet in Deutschland (und im übrigen Europa) zugunsten von Opel weitgehend einzustellen. Die meisten hierzulande bis dahin verkauften Chevys kamen ohnehin aus Südkorea.

Lieber Mr. President, Lektion eins lautet: Wenn GM in Deutschland keine Chevys verkaufen will, müssen Sie sich nicht wundern, dass nur Porsche, Mercedes und BMW über deutsche Autobahnen heizen.

Chevrolet fahren will ich trotzdem.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 9 vom 23.2.2017.

Wenn ich als Redakteur ein Auto testen möchte, rufe ich die Pressestelle des jeweiligen Unternehmens an – die organisiert dann das gewünschte Fahrzeug. Ich hätte mich auch mit einem Chevrolet Cruze zufriedengegeben, das ist der Golf unter den Chevys, Basispreis knapp 17.000 US-Dollar. Eine leichte Aufgabe, dachte ich. Die Presseabteilung sagte, ja, natürlich, kein Problem. Ein Telefonat später fragte man, ob der Wunsch nach einem Chevrolet vielleicht mit Herrn Trump und seinen Äußerungen zu tun habe. Angeblich war dann leider kein Auto mehr frei. Mit Donald Trump will der Konzern offenbar lieber nichts zu tun haben.

Anscheinend auch Trump mit Chevrolet nicht allzu viel. Bei der Suche mit Google nach einem wirklichen Chevrolet beginne ich, Fotos von Donald Trump in einem Chevrolet zu finden. Google kennt nur ein Motiv: das Autorennen Indianapolis 500. Seit 1911 darf jedes Jahr eine bekannte Persönlichkeit das Führungsauto fahren, 2011 sollte es Donald Trump sein. Einen Fototermin gab es, gefahren ist Trump dann doch nicht, die Trainingszeiten passten angeblich nicht in seinen vollen Terminkalender. Er schaute sich das Rennen von New York aus an.

Wenn GM mir kein Fahrzeug zur Verfügung stellt, muss ich selbst eines auftreiben. Die Suche in Reihenhaussiedlungen kann ich mir sparen, der 0,3 Prozent wegen. Dann eben ein älteres Modell, eines mit viel Wumms, das Liebhaber sich mal fürs Wochenende ausleihen, um ein bisschen anzugeben.