Für ihre Jahrespressekonferenz hat sich die Hamburger Sparkasse diesmal etwas Besonderes einfallen lassen. Ein Reisebus soll die Journalisten am 23. Februar zu einer nicht näher beschriebenen Destination im "Hamburger Umland" kutschieren. Dort will Sparkassen-Chef Harald Vogelsang dann am Beispiel einer Musterfiliale sein "neues Filialkonzept" vorstellen, wobei man gespannt darauf sein darf, wie sich die neuen Zweigstellen denn genau von den alten unterscheiden werden. Ist Bank nicht gleich Bank? Offenbar nicht. Denn eines hat sich Vogelsang schon entlocken lassen: "Die Filiale der Zukunft soll ein Treffpunkt für die Menschen werden."

Ein sozialer Versammlungsort also. Klingt nicht schlecht – irgendwie nach guter, alter Zeit, als die Kunden ihre Überweisungsträger noch am Bankschalter ausfüllen ließen und derweil mit dem Kassierer ein kleines Schwätzchen hielten. In Zeiten des Onlinebankings allerdings, das weiß auch Vogelsang, ist diese Form der Filialromantik sehr bedroht. Immer mehr Menschen erledigen ihre täglichen Bankgeschäfte vom Computer oder Smartphone aus. Das große Filialsterben hat begonnen – auch bei der Haspa, die in diesem Jahr wohl mehrere ihrer rund 150 Zweigstellen schließen wird.

Wegweisender als das neue Filialkonzept dürfte darum ein Parallelprojekt sein, das die Sparkasse momentan ebenfalls mit Hochdruck betreibt – bei dem es sich allerdings, genau genommen, um ein Anti-Filialkonzept handelt. Es trägt den Namen Yomo und wird bei der Haspa behandelt, als wäre es eine geheime Verschlusssache. Weder Vogelsang noch die Sprecher des Instituts wollen darüber reden.

Yomo steht für Your Money und soll eine Banking-App für Tablet und Smartphone werden. Das klingt zunächst wenig sensationell. Schließlich bietet die Hamburger Sparkasse für ihr klassisches Girokonto schon seit Jahren eine mobile Applikation an. Das Revolutionäre an Yomo zeigt sich erst auf den zweiten Blick. Denn während die Haspa die Grundgebühr für das Joker genannte Girokonto erst kürzlich auf 3,95 Euro im Monat erhöht hat, wird Yomo voraussichtlich umsonst sein. Dafür versieht die größte Bank der Stadt ihr neues Angebot, das im Frühjahr starten soll, allerdings mit einer Einschränkung, die bislang als undenkbar galt: In die Filiale mögen die Yomo-Kunden nämlich, bitteschön, nicht mehr kommen.

Dieser Artikel stammt aus dem Hamburg-Teil der ZEIT Nr. 10 vom 2.3.2017. Sie finden diese Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

Gerade für eine Bank wie die Sparkasse ist dies eine Art Kulturbruch – der sich, wenn überhaupt, nur aus der Not heraus erklärt. Denn auch wenn die Haspa im Vergleich zu anderen Sparkassen immer noch gut dasteht und für 2016 einen Vorsteuergewinn in dreistelliger Millionenhöhe präsentieren dürfte: Die grundsätzlichen Probleme der Finanzbranche gehen auch an dem 1827 gegründeten Traditionsinstitut nicht spurlos vorüber.

Da sind zum einen die immensen Auflagen der Politik, die den Banken seit der Finanzkrise vorschreiben, ihre Geschäfte mit mehr Eigenkapital zu unterlegen und deutlich umfangreicher zu dokumentieren. Beides soll das Finanzsystem sicherer machen, nagt aber an der Rendite. Hinzu kommt das Zinstief, das sich früher oder später in die Erträge praktisch aller Banken fressen dürfte. Und dann ist da noch die Digitalisierung, die der Finanzwirtschaft mittlerweile ähnlich zusetzt wie dem Einzelhandel.

Es hat vor allem mit Gebühren zu tun, dass die Haspa junge Kunden nicht halten kann

Bei der Haspa zeigt sich die wachsende Konkurrenz durch reine Onlinebanken in einem Phänomen, das intern als "Badewannenkurve" bezeichnet wird, wie Mitarbeiter hinter vorgehaltener Hand erzählen. Damit sei gemeint, dass der Marktanteil, bezogen auf das Alter der Kunden, mittlerweile eine Verlaufskurve aufweise, wie es früher einmal bei Badewannen der Fall war. Sprich: an den Enden deutlich höher als in der Mitte. Bei Kinder und Jugendlichen sei die Marktdurchdringung immer noch beeindruckend. Dann aber, ausgerechnet bei den besonders begehrten "Millennials" – also der Zielgruppe der 20- bis 35-Jährigen –, gehe der Marktanteil merklich runter, bevor er bei den älteren Kohorten wieder ansteige.