DIE ZEIT: Frau Schwab, Frau Lohmann, Sie sind Zimmermädchen ...

Bianca Schwab: Wollen wir uns nicht duzen? Machen in diesem Job alle.

ZEIT: Gern. Also, Bianca und Vera, ihr reinigt, Sophie ist Hausdame, auch Anna hat lange in der Branche gearbeitet. Wenn ihr als Profis euch hier im Hotelzimmer umschaut – wo sind die Tücken?

Sophie Gotte: Diese riesige, schwere Decke auf dem Bett! Anstrengend, die allein in den Bezug zu kriegen.

Vera Lohmann: Das geht in die Arme.

Anna K.: Die Zierleiste überm Bett ist auch nicht ohne. Nicht leicht, die abzustauben, ohne auf die Matratze zu steigen.

Bianca: Praktisch finde ich dafür den Tisch da drüben. Der ist golden lackiert. Da sieht man den Staub nicht so sehr wie auf Schwarz.

ZEIT: Was putzt ihr als Erstes, wenn ihr ein Hotelzimmer betretet?

Vera: Putzen? Ich mache erst mal die Heizung aus. Unser Naturhotel Tannerhof ist ein Biohotel, da fasten viele Gäste. Wer fastet, der friert schneller und dreht die Heizung hoch.

Bianca: Ich reiße als Erstes die Fenster auf.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 9 vom 23.2.2017.

Anna: Ich auch. Schon seltsam: Zu Hause lüften die Leute. Aber im Hotel kippt fast keiner morgens das Fenster, bevor er rausgeht. Da schlägt einem dann eine Luft entgegen ...

Bianca: ... und jedes Zimmer riecht anders. Das eine nach Deo, das andere nach Schweißfüßen oder Knoblauch.

Sophie: Wenn ich in ein Hotelzimmer komme, hebe ich die Ecken der Bettdecke hoch. Als Hausdame muss ich schauen, ob die Zimmermädchen gründlich waren: Ist das Laken glatt? Hängen Haare am Kissen?

ZEIT: Wie lange dauert es im Schnitt, bis man mit einem Zimmer durch ist?

Vera: 20 bis 30 Minuten. Ein Biohotel-Gast macht nicht viel Dreck. Er trinkt bloß ständig Tee. Wie viele Teebeutel ich finde!

Anna: In den Fünfsternehäusern in Berlin, in denen ich gearbeitet habe, dauert es länger. Da hängst du auch die Kleider in den Schrank. Oder legst den Geldbeutel so auf den Schreibtisch, dass er einen rechten Winkel zur Kante bildet. Und manchmal haben die Gäste extrem geshoppt, und auf dem Boden stehen überall Tüten herum – Gucci, Versace ...

Sophie: Da findet man auch mal Schuhe im Müll, die noch völlig in Ordnung sind. Die liegen da wohl nur, weil die Leute sich drei neue Paare gekauft haben. Das hatten wir im Münchner Hotel Platzl auch schon.

Bianca: Echt? Ich arbeite ja im Best Western Hotel in Neumünster. Da findest du höchstens mal durchgelaufene Stiefel im Müll.

ZEIT: Eure Arbeitsstelle ist unser Rückzugsort. Ihr kommt rein, wenn wir Gäste draußen sind. Was verraten unsere Spuren über uns?

Bianca: Oft sind das Geschäftsleute. Die erkennt man auch am Bad. Selbst die Handtücher hängen noch akkurat da, sodass du dich fragst: Hä? Hat hier überhaupt wer gewohnt?

Anna: Die haben abends noch Termine, stellen dann nur den Koffer in den Schrank, legen sich hin, schlafen sechs Stunden und machen am Morgen bloß eine Deodusche.

Bianca: Das sind die besten Gäste. Das Zimmer ist im Nu gereinigt.

ZEIT: Und wer macht den meisten Dreck?

Bianca: Springreiter! Überall liegt Stroh herum, die Stiefel und Pferdedecken stinken. Und Hunde mit ihren Besitzern. Bei uns in Neumünster ist ab und zu große Hundeschau. Da sieht man den Teppich vor lauter Haaren nicht.