Sozialwohnung unbegrenzt

Schön, dass der Staat einst viel Geld in den sozialen Wohnungsbau gesteckt hat. Schlecht, dass die Zweckbindung dieser Wohnungen in diesen Jahren ausläuft. Ausgerechnet jetzt, da neben Arbeitslosen und Geringverdienern auch noch Flüchtlinge eine Wohnung suchen. 2017 ist also das perfekte Jahr, um eine staatliche Wohnungsbaugesellschaft zu gründen und mit Geld zu füttern, sagen wir: mit 23 Milliarden Euro. Ihre einzige Aufgabe: der Bau günstiger Wohnungen.

Anders als bei Wohnungen, die privat gebaut und staatlich bezuschusst werden, gäbe es bei diesen keine Exit-Option: einmal Sozialwohnung, immer Sozialwohnung. Die übrigen 700 Millionen Euro sollten in einen Architekturwettbewerb für diese Wohnungen fließen, den höchstdotierten aller Zeiten. Denn: Je hässlicher der soziale Wohnungsbau, umso eher wird die Gegend drum herum zum Ghetto, in dem gute Lehrer nicht arbeiten und Besserverdienende nicht wohnen wollen. So aber würde die Stadt hübscher, die Welt gerechter. Caterina Lobenstein

Den Griechen geben

Alle Jahre wieder brauchen die Griechen einen Milliardenkredit von der EU, um Zinsen zu bezahlen und Schulden zu tilgen. Vergeblich bettelt ihre Regierung Jahr für Jahr um Schuldenerlass. Aber da ist der deutsche Finanzminister vor: Kredite gehören zurückgezahlt, so sein Credo. Ein unschönes Schauspiel à la Und täglich grüßt das Murmeltier.

Jetzt könnte der strenge Haushaltshüter den Teufelskreis sprengen. Warum überweist er den unverhofften deutschen Überschuss nicht einfach nach Athen? Geschenkt wohlgemerkt! Zinsen wollen wir diesmal keine, aber die Griechen müssten schon weiter reformieren und aufhören, uns via EU anzuzapfen.

Was hätten wir davon? Die bösen Deutschen würden zu den Guten! Der zweite Gratis-Ouzo beim Griechen wäre gebongt, und auf Kreta oder Korfu wären uns Steuerzahlern die besten Plätze am Pool sicher. Unsere dankbaren Freunde würden die Handtücher der geizigen Engländer schon rechtzeitig abräumen. Dietmar H. Lamparter

Schulklos pimpen

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 10 vom 2.3.2017.

Warum nicht in bessere Bildung investieren? Und zwar indirekt: durch gepflegte Schultoiletten. Wer kann schon aufmerksam dem Unterricht folgen, wenn er wegen versiffter Schulklos ständig das menschliche Bedürfnis, sich zu erleichtern, unterdrücken muss? Und jedes dritte Kind in Deutschland tut genau das, hat 2015 eine Umfrage unter Lesern von ZEIT ONLINE ergeben.

An einer Kölner Grundschule wurde daher vergangenen Herbst versucht, bei den Eltern pro Kind und Halbjahr sieben Euro für "saubere und sichere Toiletten" einzutreiben. Neben dieser Flatrate-Lösung werden andernorts auch Pay-per-Pee-Modelle diskutiert. Mit den sieben Euro lässt sich auf jeden Fall rechnen: Offenbar reichen sie pro Kind und Halbjahr aus. Bei gut acht Millionen Schülern an allgemeinbildenden Schulen und mit 23,7 Milliarden Euro ließen sich saubere Klos also ab sofort und bis zum Einschulungsjahrgang 2220/21 finanzieren. Vorausgesetzt, es wäre politisch gewollt. Marcus Rohwetter

Mehr Steuerfahnder

Ein Rekordüberschuss im Haushalt ist super, aber man sollte ihn so investieren, dass die Steuereinnahmen in Zukunft noch viel höher ausfallen. Das könnte so gehen: Mit den vielen Milliarden werden Tausende neue Steuerfahnder eingestellt. Sie bekommen die beste Ausbildung, die schnellsten Computer, die cleverste Software. Dann geht es steuerflüchtigen Konzernen und Mitbürgern an den Kragen!