Geriebener Malachit und Kohle, vermischt mit Fett, dazu eine Portion Bleisalz, fertig ist der Lidschatten nach altem ägyptischem Rezept. Herrscher, Diener und Arbeiter trugen ihn, Männer wie Frauen. Auf der Maske und den Büsten des Pharaos Tutanchamun sind die Augen dunkel umrandet, in seinem Grab fanden sich Schminktiegel mit Augen-Make-up.

Der dunkle Lidstrich sah nicht nur gut aus, er beugte auch Krankheiten vor. Ausgerechnet das giftige Blei schützte die Augen vor Bakterien, die an den sumpfigen Ufern des Nils lauerten. Als der Chemiker Philippe Walter Proben des ägyptischen Eyeliners untersuchte, stellte er fest, dass die Ägypter für ihre Schminke bestimmte Bleisalze herstellten und diese so dosierten, dass die Bakterien abstarben, sich die giftige Wirkung des Bleis aber in Grenzen hielt. Das Make-up war zudem Zeichen der Verehrung des Sonnengottes Ra, dessen Sinnbild das Auge war. Der Kontrast zwischen hellem Augenweiß und dunkler Umrandung ließ die Augen besonders strahlen.

Seit je hat das Weiß der Augen für die Menschen große Bedeutung, es brachte sogar einen evolutionären Vorteil: Eine weiße Lederhaut, die gut sichtbar im Kontrast zu Iris, Pupille und dem Gesicht steht, fördert zwischenmenschliche Beziehungen. Sie lässt die Augenbewegungen und die Blickrichtung deutlich erkennen. Dadurch können wir Absichten und Stimmungen des Gegenübers leichter interpretieren.

Ein klares Augenweiß, auch Sklera genannt, zeugt obendrein von Gesundheit. Verfärbungen sind oft ein Zeichen dafür, dass im Körper etwas nicht stimmt. Ist die Leber krank, kann die Sklera gelb anlaufen. Sind wir erschöpft oder unsere Augen entzündet, wird sie rot. Im Alter trübt sich die Sklera zudem gräulich.

Um das Auge strahlen zu lassen, greifen manche Menschen zu drastischen Mitteln. Etwa zu Augentropfen, die die Sklera weißer wirken lassen. Unter Schauspielern und Models sei das sehr beliebt, behaupten zumindest die Hersteller. Doch ist die Wirkung von kurzer Dauer. Die Tropfen verengen vorübergehend die Gefäße, sodass die Augen weniger durchblutet werden und heller erscheinen. Danach fließt jedoch umso mehr Blut zurück, was die Augen noch röter werden lässt. "Vom medizinischen Standpunkt aus sind die Tropfen, die einen kosmetischen, aber keinen kurativen Effekt haben, sinnlos und vielleicht sogar gefährlich", sagt Burkhard Dick, Professor für Augenheilkunde an der Universität Bochum. Augenärzte befürchten, dass auf Dauer die sogenannten Becherzellen, die für die Bildung des Tränenfilms wichtig sind, unter Sauerstoffmangel leiden und dadurch Schaden nehmen könnten.

Dieser Artikel gehört zu ZEIT Doctor aus der ZEIT Nr. 10 vom 2.3.2017.

Statt die Augen zu manipulieren, sollte man sich klarmachen, woher Rötungen rühren. Oftmals sind die Augen müde und gereizt von der Arbeit am Computer. Sie erbringen dabei Höchstleistungen: Während wir im Ruhezustand bis zu 21 Mal pro Minute blinzeln, sinkt die Frequenz der Lidschläge auf fünf, wenn wir uns auf einen Bildschirm oder eine Textseite konzentrieren. Die Netzhaut wird dann nicht ausreichend mit Feuchtigkeit versorgt, und die Sklera färbt sich rot. Die trockene Luft in geschlossenen Räumen tut ihr Übriges.

Kurzfristig hilft dagegen Gähnen. Die Tränen, die dabei in die Augen steigen, befeuchten sie. Auch bewusstes Blinzeln mindert die Trockenheit, ebenso wie feuchtigkeitsspendende Augentropfen, wie eine Studienübersicht des Wissenschaftsnetzwerks Cochrane ergab. Der Bundesverband der Augenärzte empfiehlt einen weiteren Trick: Palmieren – benannt nach dem englischen Wort palm für Handinnenfläche. Menschen mit trockenen Augen sollen ihre Hände reiben, bis sie warm sind, und sie dann wie Kuppen über die Augen legen, sodass sich die Finger auf der Stirn kreuzen und die Handballen auf den Wangenknochen liegen. Für zehn bis 20 tiefe Atemzüge halten, die Lider danach noch etwas geschlossen lassen. Die Wärme und die Dunkelheit helfen den Augen zu entspannen, was Rötungen entgegenwirkt.