"Es geht ein tiefer Riss durch unsere Gesellschaft", sagte kürzlich der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz in einer Rede. Gemeint sind die Einkommensunterschiede in Deutschland. Und der Prototyp der ungerechten Bezahlung: die Managergehälter.

Man könnte lange über Einkommensunterschiede diskutieren. Darüber, dass die Einkommensschere seit 2005 nicht weiter auseinandergegangen ist, und über vieles mehr.

Nur – das bringt nichts. Mit spröder Statistik ist der gefühlten Verteilungsungerechtigkeit nicht beizukommen. Und am verbreiteten Gefühl, dass mit der Vergütung von Vorständen deutscher Aktiengesellschaften etwas nicht stimmt, ist auch was dran. Wir Manager sollten das nicht als reine Neiddebatte abtun.

Zwar leistet die Mehrzahl der deutschen Unternehmensführer sehr gute Arbeit. Doch Vorgänge wie bei Volkswagen kann man nur mit Fassungslosigkeit betrachten. Und dass bei der Deutschen Börse kurz vor der Bekanntgabe einer Fusionsabsicht noch schnell ein aktienbezogenes Bonusprogramm aktiviert wird, führt zu der Frage, ob manche völlig in Parallelwelten leben. Manager sind daher eine geeignete Zielgruppe für politische Attacken. Es reicht nicht, dass sie zu den Vorwürfen schweigen.

Da ist zunächst die Idee eines Maxilohns. Der ist mindestens aus zwei Gründen problematisch. Zum Ersten sollte der Gesetzgeber sich generell aus der Festlegung von Zielgrößen zur Einkommenserzielung heraushalten. Das hat weder mit unternehmerischer Freiheit der Eigentümer noch mit sozialer Marktwirtschaft etwas zu tun. Zum Zweiten kann auch der kühnste Politiker wahrscheinlich nicht begründen, warum bei Managern Obergrenzen erforderlich sind, nicht aber bei Sportlern oder Medienstars.

Wie wollte man eine Obergrenze auch definieren? Sind 250.000 Euro genug oder zehn Millionen? Welche Kriterien ergeben Sinn?

Erwähnt wird oft die Koppelung des Maximalgehaltes an einen Durchschnittsverdienst. Dieser Ansatz nimmt das Thema Gerechtigkeitslücke beim Wort. Doch überzeugend ist es nicht. Denn mit dieser Koppelung müsste sich das Spitzengehalt von Unternehmen zu Unternehmen unterscheiden. Dazu kämen statistische Probleme bei der Ermittlung der Vergleichsbasis (zum Beispiel die Frage, ob ausländische Arbeitsplätze einzubeziehen sind).

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 10 vom 2.3.2017.

Diskutiert wird auch die Abschaffung der steuerlichen Abzugsfähigkeit von Managergehältern. Oft wird die Grenze von 500.000 Euro erwähnt. Das könnte vielleicht als verfassungsgemäß angesehen werden. Systemwidrig ist es trotzdem. Wenn der Gesetzgeber immer neue Kosten als Un-Kosten definiert, werden irgendwann die Grundlagen der Rechnungslegung völlig außer Kraft gesetzt. Außerdem dürfte es ja dann nicht bei Managergehältern bleiben. Was ist mit dem Talkshow-Moderator, der seine Sendung selbst produziert?

Und der Vorschlag, die Hauptversammlung immer umfassender in die Entscheidung über Vorstandsgehälter einzubinden? Ich rate davon ab. Bei sensiblen Themen wie der individuellen Vergütung muss nicht jedes Argument auf dem öffentlichen Marktplatz diskutiert werden. Außerdem sind Aktionäre eben Aktionäre. Ihr Interesse ist Kurssteigerung und Dividende.

Die Aktionäre haben ihre Vertreter in den Aufsichtsrat gewählt. Die Antwort auf die Frage nach der Gerechtigkeitslücke müssen daher auch die Aufsichtsräte geben. Sie haben angemessene Boni anhand klar definierter Kriterien wie Umsatz, Ergebnis, Börsenkurs festzulegen und den Bonus an die Leistung zu koppeln. Aber alles zu mathematisieren und in rechtssichere Formeln zu gießen lässt den Ermessensspielraum von Aufsichtsräten fast auf null schrumpfen.

Natürlich muss der Aufsichtsrat ein Gefühl dafür entwickeln, was in der Firma akzeptiert wird und gesellschaftlich verträglich ist. Aber das kann man von Aufsichtsräten – wie auch von Vorständen – erwarten. Aufsichtsrat zu sein ist auch eine Aufgabe mit gesellschaftspolitischer Relevanz. Die gilt es heute wahrzunehmen.