Dieser Artikel stammt aus dem Hamburg-Teil der ZEIT Nr. 10 vom 2.3.2017. Sie finden diese Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

Jetzt vermehrt mexikanisch essen zu gehen gebietet die Solidarität. Es ist bloß nicht ganz einfach, denn was in Deutschland als mexikanisch verkauft wird, ist meist nur ein Abklatsch der dortigen Küche: pappige Burritos oder Nachos aus der Packung mit einem Brei aus unreifen Avocados. Umso mehr freut man sich über das kleine Lokal, das dieser Tage auf St. Pauli eröffnet hat oder besser: offen geblieben ist. Begonnen hatte es als Pop-up-Restaurant in den Räumen der früheren Schankwirtschaft, das dann aber einfach nicht wieder schloss. Warum, das ahnt man, wenn man versucht, einen Platz zu finden. Bereits am frühen Freitagabend herrscht Gedränge.

Neugierig macht schon der Name des Lokals. Nicht die gewohnte Ranschmeißerei à la Sombrero oder Caramba, sondern etwas sperriges Deutsches: Mexiko Straße. Mexikanische Straßenküche also, und wie man bald sieht, ist es nicht die gewohnte. Bei den Tagesgerichten auf der Tafel war jemand in Reimlaune: "Weißer Mais mit Knochenmark, / Mach dir einen guten Tag".

Das sollte niemanden verschrecken. Die mexikanische Küche ist dem deutschen Gaumen näher als die derzeit so beliebte peruanische. Man merkt das an der Ceviche. Hier gibt es den rohen Fisch nicht in glasigen Scheiben, sondern in fast gar wirkenden Würfeln. Und den stärksten Geschmack liefert keine quietschsaure Marinade, sondern eine Tortilla, die offenbar in Schweinespeck ausgebacken wurde. Etwas rustikal, aber interessant.

Referenz ist natürlich die Guacamole. Die gibt es hier in drei Varianten – von klassisch mit knusprigen Schweineschwarten bis gesund mit diversen Früchten. Die scharfe Variante ist schwarz von der Asche vier verschiedener Chilisorten. Ihr Rauchton verbindet sich so gut mit dem Fett der Avocado, dass man fast an Grillfleisch denkt. Es ist diese Art von Essen, bei der auch ein Weintrinker Bier wählt. Oder besser Sol Michelada: ein Bier, das mit Limettensaft, Eis und Salzrand an eine Margarita erinnert.

Man kann in der Mexiko Straße auch große und ambitionierte Speisen essen (Kalbsbeinscheibe im Bananenblatt, drei Tage geschmort!). Aber den größten Spaß machen die offenen Tacos – halb so teuer wie spanische Tapas, dafür doppelt so groß und dreimal so herzhaft. Die kontrollierte Derbheit von Garnelen mit gegrilltem Käse oder Schwein mit Chili und Ananas färbt auf den Esser ab. Man verzichtet aufs Besteck, reißt jede Minute eine neue Serviette aus dem Halter. Genießt den Rummel zwischen Heiligenkerzen und Bierkisten voller Obst.

Zum Schluss ein Mezcal. Faustregel: Ist ein Wurm drin, gilt dasselbe fürs Restaurantkonzept. Nein, das hier ist gute Ware. Und ein gutes Lokal.

Taquería Mexiko Straße, Detlev-Bremer-Straße 43, St. Pauli. Tel.: 0179-932 79 25. Geöffnet Di und Mi von 17 bis 23.30 Uhr, Do bis Sa von 17 bis 1.30 Uhr. Tacos um 3 Euro. Taquería Mexiko Straße auf Facebook