DIE ZEIT: Herr Noah, seit zwei Jahren moderieren Sie im US-Fernsehen die Daily Show. Ihr Vorgänger Jon Stewart hat die Show zum Flaggschiff der linken politischen Satire in den USA gemacht. Überraschend berief er Sie als seinen Nachfolger – einen in den USA gänzlich unbekannten Komiker aus Südafrika. Hilft Ihnen bei Ihrer Arbeit der Blick des Außenseiters?

Trevor Noah: Ja. Als ich nach Amerika kam, war ich zum Beispiel überrascht, wie gespalten die USA wirklich sind. Vielen Amerikanern sind ihre politischen Präferenzen wichtiger als das Land. Das ist beängstigend. Alle Politiker behaupten, es gehe ihnen um das Land, aber das stimmt nicht. Trump ist das beste Beispiel; erst sagten die Republikaner, er sei ungeeignet und gefährlich, jetzt unterstützen sie ihn aus Loyalität.

ZEIT: Als Sie anfingen, wünschten sich manche Kritiker Jon Stewart zurück. In Ihrem Buch Farbenblind, das gerade auf Deutsch erschienen ist, geht es um Ihre Kindheit in Südafrika – und auch darum, wie wichtig der richtige Akzent dort ist. Denken Sie, es befremdet auch heute Zuschauer, dass Ihr Englisch so unamerikanisch klingt?

Noah: Oh ja, definitiv. Ein Akzent hat großen Einfluss darauf, wie man wahrgenommen wird. Aber ich habe trotzdem nicht versucht, amerikanischer zu wirken.

ZEIT: Zum Glück. Sie haben – wie John Oliver, der britische Komiker auf HBO – früh vor Trump gewarnt. Haben Sie als Ausländer etwas gesehen, was Amerikaner nicht erkannten?

Noah: Ich sah in Trump sofort einen Anführer, der sich an das Schlechteste in den Menschen wandte, Angst, Furcht, Hass. Und ich habe in Afrika gesehen, wie erfolgreich das sein kann. Andere Late-Night-Komiker dachten: Der schafft es eh nicht. Das machte es einfacher für sie, über ihn zu lachen. Ich mache Witze über ihn, weil es mein Job ist. Aber ich habe immer gewarnt: Vergesst nicht, er könnte auch gewinnen. Seid vorsichtig!

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 10 vom 2.3.2017.

ZEIT: Was allerdings nun geschehen wird, ist wirklich schwer vorauszusehen. Trump könnte in drei Monaten hinschmeißen oder sich zum Diktator auf ewig erklären wollen.

Noah: Genau. Und viele Amerikaner können sich das nicht vorstellen. Die glaubten sehr lange, dass sie grundsätzlich anders sind als Leute sonst wo auf der Welt. Weil Amerika nie einen Diktator hatte, glauben Amerikaner, das könnte ihnen niemals passieren. Andere Völker erinnern sich daran, dass sie nicht gewählte Führer hatten.

ZEIT: Könnten Sie sich vorstellen, dass Trump vielleicht die Daily Show verbieten lässt?

Noah: Das wäre nicht völlig ausgeschlossen. Wenn Trump dürfte, wie er wollte, würde er erst die Medien zum Schweigen bringen und danach die Komödianten. Amerika hat zwar eine sehr starke Verfassung, die die Meinungsfreiheit schützt, aber mich würde es trotzdem nicht völlig überraschen, wenn Trump das versuchen würde.