Nach einigem Hin und Her wird es nun wohl doch gebaut, das Einheitsdenkmal neben dem Stadtschloss in Berlin. Eine große begehbare Schale soll es werden, die sich von den Besuchern in die eine oder andere Richtung neigen lässt – denn jeder soll merken, dass er "durch kreatives Handeln zum Wohl der Gemeinschaft beitragen" kann. So denken sich das die Erfinder von der Eventagentur Milla & Partner.

In Wirklichkeit hat das bisschen Herumlaufen auf einer Riesenschale mit Kreativität so wenig zu tun wie mit Demokratie. Und die Behauptung, das Denkmal lade zur Partizipation ein, könnte in ihrer Gönnerhaftigkeit sogar wütend machen: Ist politische Mitwirkung nur ein Gnadenakt von oben? Und missbraucht man die "Bürger in Bewegung" hier nicht dazu, einfach nur eine ingenieurstechnisch vorberechnete Funktion zu erfüllen?

Da bietet jeder Kunstaktivist deutlich mehr Spielraum und Abenteuer, denn wer an dessen Projekten teilnimmt, hat tatsächlich das Gefühl, politisch-moralisch engagiert zu sein und die Welt zu verbessern. Allerdings treten die Aktivisten stets unter dem Vorzeichen des Protests an. Kritik gehört zum Selbstverständnis der zeitgenössischen Kunst, und entsprechend schwer fällt es den Künstlern, auch mal etwas zu würdigen und zu preisen.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 11 vom 9.3.2017.

Früher fiel es ihnen leichter, wobei es auch damals nicht nur ums Betrachten, sondern ums Mitmachen ging. So beim 1913 fertiggestellten Völkerschlachtdenkmal in Leipzig, das, da es an den Sieg über Napoleon erinnert, ja ebenfalls ein Freiheits- und Einheitsdenkmal ist. Man kann es betreten und besteigen, gedacht war an eine choreografierte Abfolge von Erfahrungen: In einer Krypta trauerte man um die Gefallenen, dann wurde in einer Ruhmeshalle der Kräfte und Tugenden der eigenen Nation gedacht, schließlich durfte man sich, beim Ausblick von oben, auf die Zukunft besinnen. Ursprünglich war sogar eine große Sportstätte geplant; die gesamte Anlage sollte weniger an Vergangenes erinnern, dafür aber umso mehr die nationale Gesinnung fördern.

Noch in anderer Hinsicht ist das Völkerschlachtdenkmal viel partizipativer als sein Berliner Nachfolger. Möglich wurde es nämlich nur durch viele Hunderttausende Spender; selbst in Schulen wurde Geld dafür gesammelt. Und heute? In Zeiten, in denen Crowdfunding als Inbegriff der Partizipation gilt, soll gerade dieses Denkmal komplett staatlich finanziert werden? Der einzig halbwegs überzeugende Weg, all die Phrasen von Mitwirkung und Mitgestaltung doch noch glaubwürdig zu machen, wäre: eine möglichst kreative Crowdfunding-Kampagne für das Denkmal. Nur so würde sich zeigen, was die Bürger wirklich bewegt.