Omelett? Zackzack, und fertig. Was wäre einfacher? So kann man es sehen. Keine Einwände. Aber alles lässt sich verfeinern; wie sehr und warum das schön sein kann, das soll diese Kolumne zeigen. Tatsächlich gibt es eine ganze Welt des Omeletts. Sie ist gewissermaßen vertikal und horizontal geordnet: vertikal, denn es existiert eine Vielzahl von Methoden, die Eimasse zu behandeln – vom Schlagen über die Beimischungen bis zur Art des Erhitzens und des Faltens; horizontal, denn die Varianten der Füllungen, Beilagen, Soßen und Garnituren sind ungezählt. Alte Kochbücher führen Aberhunderte von Omelettrezepten auf.

"So viel Lärm um ein Omelett", lautet ein französisches Sprichwort, mit leichtem Kopfschütteln ausgesprochen, tant de bruit pour une omelette. Das Omelett ist in Frankreich weiblich. Klänge nicht auch in unseren Ohren "die Omelette" charmanter? Aber die Sprachregeln sind hart. Wir müssen das Omelett sächlich schreiben, dürfen es uns weiblich nur denken. Und werden es unausgesetzt verfeinern. Nichts gegen ein Fünfminutenomelett. Aber die Rezepte und Methoden, die in dieser Kolumne vorgestellt werden, verlangen jeweils etwa 30 Minuten Aufmerksamkeit. Volle Konzentration, auch dann, wenn Sie kurz zuvor noch selig geschlafen haben und das Omelett ein Frühstück sein soll. In dieser halben Stunde existiert nichts Wichtigeres als die Zutaten, die Zubereitung, die Präsentation auf dem Teller.

Nur ein Omelett? Von wegen "nur". Hingabe macht die kleinen Dinge groß. Das hat etwas Meditatives, Sie können es auch Zen nennen.

Ich nenne es einen Liebesbeweis. Jedenfalls wenn wir das Omelett mit aller erdenklichen Sorgfalt und Erfindungsgabe zubereiten und es sodann auf den Tisch oder ans Bett bringen. Haben Sie den Film Ratatouille gesehen? Da gibt es eine hinreißende Szene, in der die meisterlich kochende Ratte Rémy dem Küchenjungen, der sie gerettet hat, mit einem Frühstücksomelett dankt.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 11 vom 9.3.2017.

Omeletts passen zu jeder Tages- und Nachtzeit. Als meine Tochter zur Schule ging, bekam sie eins zum Frühstück, so wie jetzt an den Wochenenden meine Frau. Es eignet sich auch als leichtes Mittagessen oder nächtliche Stärkung. Und was trinken wir dazu? Das hängt ganz von den Füllungen, Beilagen und Saucen ab, doch am besten schmeckt mir dazu immer noch Tee. Morgens eher Kaffee. Einen passenden Wein habe ich trotz mehrerer Forschungsstipendien bisher nicht gefunden.

Anders als ich mögen manche Leute süße Omeletts, mit Zucker und Früchten. Dann ist diese Eierspeise ein Nachtisch. Doch wie auch immer, sie sollte stets leichtfüßig daherkommen, mag das auch täuschen. Einige Rezepte der kommenden Wochen haben es sogar schwer in sich.

Die Oberfläche aber muss fein bleiben, darf nicht rustikal werden. Daher eine Grundregel: Das Omelett darf keinesfalls anbräunen. Schon ein leichter Goldton macht aus ihm ein Bauernfrühstück. Das ist eine Speise, die auch ihre Berechtigung haben mag, aber nicht in dieser Kolumne.

Besorgen Sie sich bis zur nächsten Woche eine Pfanne (20 oder 24 cm Durchmesser), egal, ob beschichtet oder nicht, die Fläche muss nur glatt sein. Am besten, die Pfanne ist schon länger in Gebrauch, weil sich dann ein leichter Fettfilm darauf befindet. Sie benötigen einen dünnen Spatel (gern aus Plastik), einen Schneebesen und zwei runde Schalen, in denen Sie die Eier schlagen. Wieso zwei? Wird später verraten. Haben Sie noch genügend Tabasco- und Worcestersauce, Sonnenblumen- oder Maisöl sowie weißen Pfeffer im Haus?